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Wissen › Vegetations- und Waldbrand

🌲 Szenario

Taktische Zeichen bei Vegetations- und Waldbrand

Ein Vegetationsbrand stellt die Lageführung vor andere Aufgaben als ein Gebäudebrand. Die Einsatzstelle hat keine Wände, sie verschiebt sich mit dem Wind, und die Wasserversorgung wird vom Nebenschauplatz zur Hauptaufgabe.

Deshalb sieht auch die Lagekarte anders aus. Bei einem Zimmerbrand kreisen alle Eintragungen um ein festes Objekt. Beim Waldbrand ist der Bezugspunkt eine bewegliche Linie, und fast alles auf der Karte ordnet sich der Frage unter, wohin sich das Feuer als Nächstes ausbreitet.

Vier Unterschiede, die alles bestimmen

Die Fläche. Eine Einsatzstelle über mehrere Hektar lässt sich von keinem Standort aus überblicken. Was bei einem Gebäudebrand der Blick aus dem Fenster erledigt, muss hier die Karte leisten.

Die Bewegung. Das Feuer wandert. Eine Eintragung ohne Uhrzeit ist damit noch wertloser als sonst, weil sich die Lage nicht nur ändert, sondern buchstäblich verschiebt.

Das Wasser. Im Wald gibt es keine Hydranten. Die Löschwasserversorgung über lange Wegstrecke ist die zentrale logistische Aufgabe und gehört entsprechend prominent auf die Karte.

Die Zugänglichkeit. Welcher Weg für welches Fahrzeug befahrbar ist, entscheidet über den gesamten Einsatzablauf. Bei einem Straßeneinsatz ist das trivial, hier ist es eine Führungsinformation ersten Ranges.

Das Feuer selbst darstellen

Für den Brand gibt es das Zeichen für den Flächenbrand. Es unterscheidet sich bewusst von den Zeichen für Objektbrände, weil sich ein Flächenbrand anders verhält und anders bekämpft wird.

Taktisches Zeichen Flächenbrand
Flächenbrand
Taktisches Zeichen Brandbekämpfung
Brandbekämpfung
Taktisches Zeichen Erkunden
Erkunden

Entscheidend ist, was daneben steht. Die Ausdehnung wird als Fläche eingezeichnet, die Ausbreitungsrichtung als Pfeil, und dazu gehört zwingend eine Uhrzeit. Ohne diese drei Angaben ist das Brandzeichen bei einer Flächenlage kaum brauchbar.

Wind gehört auf jede Waldbrandkarte

Die Windrichtung bestimmt, wohin sich das Feuer entwickelt, und damit jede taktische Entscheidung. Sie gehört gut sichtbar auf die Karte, zusammen mit der Uhrzeit der letzten Beobachtung und, wenn bekannt, der Windstärke.

Ein Windwechsel ist bei Vegetationsbränden der gefährlichste Moment überhaupt, weil aus einer Flanke plötzlich eine Front wird. Wer die Windangabe auf der Karte pflegt, sieht die Drehung kommen, statt von ihr überrascht zu werden. Ein eigenes Zeichen gibt es dafür nicht, ein deutlicher Pfeil am Kartenrand mit Zeitstempel erfüllt den Zweck.

Die Wasserversorgung als Hauptaufgabe

Hier entscheidet sich der Einsatz. Ein Tanklöschfahrzeug mit 3.000 Litern ist bei einem Vegetationsbrand in wenigen Minuten leer, und der Nachschub kommt selten von nebenan.

Taktisches Zeichen TLF 3000
Tanklöschfahrzeuge

Bringen das Wasser dorthin, wo keine Leitung hinreicht. Bei Pendelverkehr gehört auf die Karte, welches Fahrzeug welche Strecke fährt, sonst weiß niemand, wann wo wieder Wasser ankommt.

Taktisches Zeichen Löschwasserteich
Löschwasserentnahmestellen

Teich, Brunnen, offenes Gewässer oder Behälter. Jede nutzbare Stelle gehört eingetragen, samt der Frage, ob sie für schwere Fahrzeuge erreichbar ist.

Taktisches Zeichen Wasserversorgung
Wasserversorgung

Der Aufbau der Förderstrecke. Bei langen Wegstrecken gehören die Standorte der Verstärkerpumpen mit auf die Karte.

Taktisches Zeichen Abrollbehälter Schlauch
AB-Schlauch

Verlegt Schlauchleitungen über Kilometer. Wo er abgesetzt wurde und in welche Richtung verlegt wird, ist eine der wichtigsten Eintragungen überhaupt.

Taktisches Zeichen Löschwasserbrunnen
Brunnen
Taktisches Zeichen Löschwasserbehälter überirdisch
Behälter
Taktisches Zeichen TLF 4000
TLF 4000
Taktisches Zeichen Wechselladerfahrzeug
WLF

Befahrbarkeit ist keine Nebensache

Waldwege sind unterschiedlich tragfähig, und ein festgefahrenes Fahrzeug blockiert im schlimmsten Fall den einzigen Zugang. Die Zeichen für die Befahrbarkeit werden bei anderen Lagen gern übersehen, hier gehören sie zur Grundausstattung der Karte.

Taktisches Zeichen schwierig befahrbar
Schwierig befahrbar
Taktisches Zeichen nicht befahrbar
Nicht befahrbar

Ergänzend lohnt es sich, Wendemöglichkeiten und Ausweichstellen einzuzeichnen. Das steht in keinem Zeichenkatalog, ist aber genau die Information, die eine ortsunkundige Besatzung braucht.

Aus der Luft

Bei einer Fläche, die niemand vom Boden aus überblickt, ist die Luftaufklärung oft der einzige Weg zu einem verlässlichen Lagebild. Drohnen haben diesen Teil in wenigen Jahren grundlegend verändert, gerade weil sie mit Wärmebild auch Glutnester finden.

Taktisches Zeichen Drohne
Drohne
Taktisches Zeichen Startplatz für unbemannte Luftfahrzeuge
UAV-Startplatz
Taktisches Zeichen Hubschrauberlandeplatz
Landeplatz

Sobald mehrere Luftfahrzeuge im Spiel sind, wird der Luftraum selbst zum Führungsthema. Der Startplatz für unbemannte Systeme gehört deshalb getrennt vom Hubschrauberlandeplatz eingetragen. Wenn ein Löschhubschrauber anfliegt, muss die Drohne am Boden sein, und das setzt voraus, dass beide Stellen bekannt sind.

Abschnitte bilden

Kaum eine Lage verlangt die Gliederung in Abschnitte so früh wie ein Vegetationsbrand. Üblich ist die Einteilung entlang der Brandausbreitung, also Front, Flanken und Rücken, oder entlang der Geografie mit Wegen und Schneisen als Grenzen.

Taktisches Zeichen Einsatzabschnitt
Einsatzabschnitt
Taktisches Zeichen Bereitstellungsraum
Bereitstellungsraum
Taktisches Zeichen Meldekopf
Meldekopf
Taktisches Zeichen Logistik-Stützpunkt
Logistik

Der Meldekopf verdient bei dieser Lage besondere Beachtung. Bei überörtlicher Hilfe treffen Kräfte ein, die weder das Gelände noch die Zufahrten kennen. Ohne einen klar eingetragenen Anlaufpunkt suchen sie sich selbst einen Weg, und das endet regelmäßig an einer zugestellten Zufahrt.

Wo das Zeichensystem an Grenzen stößt

Für die Vegetationsbrandbekämpfung fehlen dem Katalog einige Begriffe, die im Einsatz zentral sind. Für einen Wundstreifen, also einen bewusst freigeräumten mineralischen Streifen, gibt es kein Zeichen. Für die Riegelstellung ebenso wenig, und auch der Pendelverkehr hat keine eigene Darstellung.

Das ist kein Versagen des Systems, sondern eine Folge davon, dass die Vegetationsbrandbekämpfung in Deutschland erst in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat. Die Praxis eilt dem Regelwerk voraus.

Bis das nachgezogen ist, gilt die übliche Regel für Lücken: ein passendes Grundzeichen nehmen, klar beschriften und in die Legende aufnehmen. Ein beschriftetes Standardzeichen versteht jeder, ein neu erfundenes Symbol niemand. Mehr dazu im Beitrag DV 102: Geschichte, Rechtsgrundlage und Grenzen.

Vier Fehler, die sich wiederholen

Weitere typische Stolperstellen stehen im Beitrag Fehlerteufel Lagekarte.

Zum Weiterlesen: Wie sich der Brandverlauf allgemein darstellen lässt, steht im Beitrag Gefahren und Schadensarten. Für die Gliederung großer Lagen lohnt der Blick auf die Führungsstufen und auf das Szenario Hochwasser und Unwetter, das dieselben Probleme aus anderer Richtung zeigt.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Feuerwehr-Dienstvorschrift 100: Führung und Leitung im Einsatz
  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Taktische Zeichen im Bevölkerungsschutz, bbk.bund.de
  • Deutscher Wetterdienst: Waldbrandgefahrenindex, dwd.de