Wissen › Führungsstufen
🎚️ FührungDie Führungsstufen A bis D
Eine Führungskraft kann nur eine begrenzte Menge gleichzeitig überblicken. Die Führungsstufen beschreiben, ab welcher Einsatzgröße welche Unterstützung nötig wird. Vier Stufen, von der Einzelperson bis zum Stab.
Der Gedanke dahinter ist einfach. Der Führungsvorgang läuft in jeder Lage gleich ab, aber die Menge an Informationen, Kräften und Entscheidungen wächst mit der Einsatzgröße. Irgendwann übersteigt sie das, was eine Person nebenbei bewältigen kann. Die Führungsstufen legen fest, wann zusätzliche Unterstützung dazukommt und in welcher Form.
Führungsstufe A: Führen ohne Führungsunterstützung
Eine Führungskraft führt allein. Sie erkundet selbst, beurteilt selbst, gibt selbst Befehle und kontrolliert selbst. Das ist der Normalfall im Alltagseinsatz.
Typisch ist der Gruppenführer bei einem Zimmerbrand, einer Ölspur oder einer Türöffnung. Die Zahl der Kräfte ist überschaubar, die Lage ist von einem Standort aus zu übersehen, und der Einsatz dauert selten länger als ein bis zwei Stunden.
Die Grenze dieser Stufe ist erreicht, wenn die Führungskraft anfängt, Meldungen zu vergessen oder Aufträge nicht mehr nachzuhalten. Das passiert erfahrungsgemäß schneller, als man erwartet, und meist ohne dass es der Betroffene selbst merkt.


Führungsstufe B: Führen mit örtlichen Führungsmitteln
Die Führungskraft bekommt Unterstützung durch Personal und Technik vor Ort. Ein Führungsassistent oder ein Führungstrupp übernimmt Aufgaben, die sonst nebenher liefen: Funk annehmen, mitschreiben, die Lagekarte führen, Kräfte erfassen.
Typisch ist der Zugführer bei einem ausgedehnten Gebäudebrand oder einem größeren Verkehrsunfall. Der Einsatzleitwagen kommt dazu und wird zum Arbeitsplatz der Führung.
Der entscheidende Gewinn dieser Stufe ist nicht die zusätzliche Person, sondern die Entlastung. Wer nicht gleichzeitig funken, mitschreiben und beurteilen muss, beurteilt besser. Genau hier fängt auch die Lagekarte an, sich zu lohnen, weil endlich jemand Zeit hat, sie zu führen.



Führungsstufe C: Führen mit einer Führungsgruppe
Jetzt wird die Führungsunterstützung selbst zur Einheit. Mehrere Personen übernehmen abgegrenzte Aufgaben, die Einsatzstelle wird in Abschnitte gegliedert, und die Einsatzleitung führt nicht mehr einzelne Trupps, sondern Abschnittsleitungen.
Das ist der Punkt, an dem sich die Art der Führung grundlegend ändert. Bis hierher hat die Führungskraft mit Einheiten gesprochen, die etwas tun. Ab hier spricht sie mit Führungskräften, die selbst führen. Wer diesen Sprung nicht mitmacht und weiterhin einzelne Trupps direkt anweist, hebelt die Abschnittsleitungen aus.
Typisch sind Großbrände, größere Gefahrstofflagen und Unwetterlagen mit vielen parallelen Einsatzstellen.



Führungsstufe D: Führen mit einem Stab
Die höchste Stufe. Ein Führungsstab arbeitet in fest verteilten Sachgebieten, meist in einer ortsfesten Einrichtung statt an der Einsatzstelle. Die Technische Einsatzleitung ist die typische Ausprägung.
Diese Stufe greift bei Katastrophenlagen, Flächenlagen über mehrere Gemeinden und Einsätzen, die über Tage laufen. Kennzeichnend ist, dass niemand mehr die gesamte Lage mit eigenen Augen sieht. Die Lagekarte ist dann die einzige Stelle, an der die vollständige Lage überhaupt existiert.
Die Sachgebiete im Stab
Die Arbeit wird auf sechs Sachgebiete verteilt. Die Bezeichnungen sind bundesweit weitgehend einheitlich.
Wer ist im Einsatz, wer ist verfügbar, wie ist die Ablösung geregelt. Bei langen Lagen das Sachgebiet, das über die Durchhaltefähigkeit entscheidet.
Sammeln, bewerten und darstellen aller Informationen. Hier wird die Lagekarte geführt und das Lagebild erstellt.
Planung und Durchführung der Maßnahmen, Befehlsgebung an die Abschnitte. Das operative Herz des Stabes.
Material, Verpflegung, Kraftstoff, Unterkunft und Instandsetzung. Bei mehrtägigen Lagen wird daraus schnell die aufwendigste Aufgabe.
Information der Öffentlichkeit und Umgang mit Medienanfragen. Bewusst außerhalb des operativen Betriebs angesiedelt.
Funk, Telefonie und Datenverbindungen. Wenn dieses Sachgebiet ausfällt, fällt die gesamte Führung aus.




Die Stufen im Überblick
Wann man hochschalten sollte
Die Stufen sind keine Rangordnung, sondern ein Werkzeug. Falsch ist sowohl, zu spät hochzuschalten, als auch, ohne Anlass mit einem Stab anzurücken.
Für die Praxis gibt es drei brauchbare Anzeichen, dass die aktuelle Stufe nicht mehr reicht.
- Meldungen bleiben unbearbeitet. Wenn Rückmeldungen eingehen und niemand sie einträgt oder darauf reagiert, fehlt Führungsunterstützung.
- Die Führungskraft kennt den Stand nicht mehr. Wer auf die Frage, welche Einheit gerade wo eingesetzt ist, nachdenken muss, hat die Grenze überschritten.
- Die Lage ist nicht mehr von einem Standort aus zu überblicken. Sobald das zutrifft, braucht es Abschnitte, und Abschnitte brauchen Stufe C.
Und ein zeitliches Anzeichen kommt hinzu: Sobald absehbar ist, dass ein Einsatz über eine Schicht hinausgeht, lohnt das Hochschalten fast immer. Der Aufbau kostet Zeit, und die hat man nur, solange die Lage noch beherrschbar ist.
Was das für die Lagekarte bedeutet
Mit jeder Stufe ändert sich, was auf der Karte steht. In Stufe A gibt es meist gar keine, in Stufe B eine einfache Skizze mit den eingesetzten Kräften. Ab Stufe C kommen Abschnittsgrenzen dazu, und in Stufe D arbeitet man mit mehreren Karten, einer Übersicht für die Gesamtlage und Detailkarten je Abschnitt.
Wer die Karte von Anfang an führt, muss beim Hochschalten nichts rekonstruieren. Das ist das stärkste Argument dafür, früher damit anzufangen, als es sich lohnt. Wie das praktisch aussieht, steht im Beitrag Eine Lagekarte führen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Feuerwehr-Dienstvorschrift 100: Führung und Leitung im Einsatz
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), bbk.bund.de