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📣 FührungDas Befehlsschema
Ein Einsatzbefehl folgt einem festen Aufbau. Fünf Bestandteile in fester Reihenfolge, jeder mit einem eigenen Zweck. Wer das Schema beherrscht, gibt auch unter Druck vollständige Befehle, und die empfangende Einheit muss nicht nachfragen.
Dieser Beitrag baut auf dem Führungsvorgang auf. Dort ist die Befehlsgebung der dritte Schritt, hier geht es darum, wie sie konkret aussieht.
Das Schema in fünf Teilen
Der klassische Einsatzbefehl für eine taktische Einheit besteht aus fünf Angaben.
Wer den Auftrag ausführt. „Angriffstrupp", „Wassertrupp", „Zweite Gruppe".
Was getan werden soll. „Zur Menschenrettung", „Zur Brandbekämpfung", „Zur Sicherung".
Womit gearbeitet wird. „Mit C-Rohr", „Mit Steckleiter", „Unter Atemschutz".
Wo gewirkt werden soll. „Im ersten Obergeschoss", „An der Gebäuderückseite".
Auf welchem Weg das Ziel erreicht wird. „Über den Treppenraum", „Über die Drehleiter".
Ausgesprochen klingt das so:
Warum die Reihenfolge nicht beliebig ist
Die Abfolge wirkt willkürlich, ist es aber nicht. Sie folgt der Reihenfolge, in der die empfangende Einheit die Informationen braucht.
Zuerst muss klar sein, wer gemeint ist. Solange das offen ist, hören alle mit halbem Ohr zu und niemand fühlt sich zuständig. Erst wenn der Angriffstrupp weiß, dass er gemeint ist, hört er richtig hin.
Dann kommt der Auftrag, weil er alles Weitere bestimmt. Wer weiß, dass es um Menschenrettung geht, versteht die folgenden Angaben in diesem Licht und kann im Zweifel selbst richtig entscheiden.
Mittel, Ziel und Weg folgen in der Reihenfolge, in der sie umgesetzt werden. Erst wird ausgerüstet, dann bewegt man sich auf dem angegebenen Weg zum Ziel. Wer den Weg zuerst nennt, zwingt die Einheit dazu, sich die Angabe zu merken, bevor sie weiß, wozu sie dient.
Wann welcher Teil entfallen darf
Nicht jeder Befehl braucht alle fünf Teile. Zwei Fälle sind üblich.
Der Weg entfällt, wenn es nur einen gibt oder er sich von selbst versteht. Bei einem freistehenden Objekt mit einer Zufahrt muss niemand den Weg vorgeben.
Das Mittel entfällt, wenn es sich aus dem Auftrag zwingend ergibt. Wer zur Brandbekämpfung im Innenangriff geschickt wird, geht unter Atemschutz vor, ohne dass es gesagt werden muss.
Was dagegen nie entfallen sollte, sind Einheit, Auftrag und Ziel. Fehlt eines davon, entsteht Nachfragebedarf, und Nachfragen kosten im Einsatz mehr Zeit, als die vollständige Formulierung gekostet hätte.
Der gegliederte Befehl für größere Lagen
Sobald ein Einsatz über eine Einheit hinausgeht, reicht das kurze Schema nicht mehr. Für die Befehlsgebung an Zug- und Abschnittsführer wird ein umfangreicherer Aufbau verwendet, der auch den Rahmen mitliefert.
Was ist geschehen, wie ist der aktuelle Stand, welche Kräfte sind im Einsatz und was ist zu erwarten. Kurz gehalten, aber ausreichend, damit der Empfänger eigenständig mitdenken kann.
Was der Empfänger erreichen soll. Formuliert als Ziel, nicht als Arbeitsanweisung. Wie er es erreicht, bleibt ihm überlassen.
Welche Kräfte er bekommt, welche Abschnitte gebildet sind, welche Einschränkungen gelten und was die Nachbarn tun.
Woher Material, Atemschutz, Kraftstoff und Verpflegung kommen, wo der Bereitstellungsraum liegt und wie die Ablösung geregelt ist.
Wer führt, wo die Führungsstelle liegt, auf welchem Kanal gesprochen wird und wann die nächste Rückmeldung erwartet wird.
Der letzte Punkt wird am häufigsten vergessen und ist der folgenreichste. Wenn nicht gesagt wird, wann die nächste Rückmeldung erwartet wird, kommt sie erst, wenn etwas schiefgeht.
Auftragstaktik statt Befehlstaktik
Ein Punkt, an dem sich Lehrgangswissen und Praxis oft reiben. Der Auftrag beschreibt idealerweise das Ziel und nicht den Weg dorthin. Wer die Aufgabe kennt und nicht nur den Handgriff, kann vor Ort auf Abweichungen reagieren.
Ein Beispiel. „Riegelstellung zum Nachbargebäude, Übergreifen des Feuers verhindern" gibt das Ziel vor. „Ein B-Rohr an der Ostseite in Stellung bringen" gibt den Handgriff vor. Stellt sich vor Ort heraus, dass die Ostseite nicht erreichbar ist, kann der erste Auftrag weiterhin erfüllt werden, der zweite nicht.
Das heißt nicht, dass Mittel und Weg nie vorgegeben werden. Wenn die Führungskraft Informationen hat, die die Einheit nicht hat, gehören sie in den Befehl. Es heißt nur, dass eine Vorgabe einen Grund haben sollte.
Die häufigsten Fehler
- Der Befehl an alle. Ein Auftrag ohne benannte Einheit wird von niemandem angenommen. Im Zweifel fühlt sich jeder gemeint und keiner zuständig.
- Zwei Aufträge in einem Befehl. „Menschenrettung und dann Brandbekämpfung" führt dazu, dass die Einheit selbst priorisiert. Getrennte Befehle sind eindeutig.
- Der Befehl ohne Rückmeldezeitpunkt. Ohne Vereinbarung kommt die Rückmeldung, wenn der Auftrag erledigt ist, was bei einem gescheiterten Auftrag nie der Fall ist.
- Der Befehl im Nebensatz. Ein Auftrag, der beiläufig im Vorbeigehen erwähnt wird, ist kein Befehl. Er wird nicht als solcher erkannt und nicht quittiert.
- Der Befehl ohne Wiederholung. Bei Funkbefehlen gehört die Wiederholung durch den Empfänger dazu. Sie ist keine Formalität, sondern die einzige Kontrolle, ob der Befehl korrekt angekommen ist.
Der Befehl auf der Lagekarte
Erteilte Befehle gehören auf die Lagekarte, und zwar in Form der Kräfte und Maßnahmen, die daraus entstehen. Wer den Angriffstrupp ins zweite Obergeschoss geschickt hat, trägt die Einheit dort ein und ergänzt das Maßnahmenzeichen für die Menschenrettung.




Damit lässt sich jederzeit prüfen, ob für jede offene Aufgabe ein Auftrag erteilt wurde und ob jede eingesetzte Kraft einen hat. Beide Fragen beantwortet die Karte schneller als jede Erinnerung.
Quellen und weiterführende Informationen
- Feuerwehr-Dienstvorschrift 100: Führung und Leitung im Einsatz
- Feuerwehr-Dienstvorschrift 3: Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz