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Das Befehlsschema

Ein Einsatzbefehl folgt einem festen Aufbau. Fünf Bestandteile in fester Reihenfolge, jeder mit einem eigenen Zweck. Wer das Schema beherrscht, gibt auch unter Druck vollständige Befehle, und die empfangende Einheit muss nicht nachfragen.

Dieser Beitrag baut auf dem Führungsvorgang auf. Dort ist die Befehlsgebung der dritte Schritt, hier geht es darum, wie sie konkret aussieht.

Das Schema in fünf Teilen

Der klassische Einsatzbefehl für eine taktische Einheit besteht aus fünf Angaben.

1. Einheit

Wer den Auftrag ausführt. „Angriffstrupp", „Wassertrupp", „Zweite Gruppe".

2. Auftrag

Was getan werden soll. „Zur Menschenrettung", „Zur Brandbekämpfung", „Zur Sicherung".

3. Mittel

Womit gearbeitet wird. „Mit C-Rohr", „Mit Steckleiter", „Unter Atemschutz".

4. Ziel

Wo gewirkt werden soll. „Im ersten Obergeschoss", „An der Gebäuderückseite".

5. Weg

Auf welchem Weg das Ziel erreicht wird. „Über den Treppenraum", „Über die Drehleiter".

Ausgesprochen klingt das so:

Beispiel: „Angriffstrupp — zur Menschenrettung — unter Atemschutz mit C-Rohr — in die Wohnung im zweiten Obergeschoss — über den Treppenraum — vor!"

Warum die Reihenfolge nicht beliebig ist

Die Abfolge wirkt willkürlich, ist es aber nicht. Sie folgt der Reihenfolge, in der die empfangende Einheit die Informationen braucht.

Zuerst muss klar sein, wer gemeint ist. Solange das offen ist, hören alle mit halbem Ohr zu und niemand fühlt sich zuständig. Erst wenn der Angriffstrupp weiß, dass er gemeint ist, hört er richtig hin.

Dann kommt der Auftrag, weil er alles Weitere bestimmt. Wer weiß, dass es um Menschenrettung geht, versteht die folgenden Angaben in diesem Licht und kann im Zweifel selbst richtig entscheiden.

Mittel, Ziel und Weg folgen in der Reihenfolge, in der sie umgesetzt werden. Erst wird ausgerüstet, dann bewegt man sich auf dem angegebenen Weg zum Ziel. Wer den Weg zuerst nennt, zwingt die Einheit dazu, sich die Angabe zu merken, bevor sie weiß, wozu sie dient.

Wann welcher Teil entfallen darf

Nicht jeder Befehl braucht alle fünf Teile. Zwei Fälle sind üblich.

Der Weg entfällt, wenn es nur einen gibt oder er sich von selbst versteht. Bei einem freistehenden Objekt mit einer Zufahrt muss niemand den Weg vorgeben.

Das Mittel entfällt, wenn es sich aus dem Auftrag zwingend ergibt. Wer zur Brandbekämpfung im Innenangriff geschickt wird, geht unter Atemschutz vor, ohne dass es gesagt werden muss.

Was dagegen nie entfallen sollte, sind Einheit, Auftrag und Ziel. Fehlt eines davon, entsteht Nachfragebedarf, und Nachfragen kosten im Einsatz mehr Zeit, als die vollständige Formulierung gekostet hätte.

Der gegliederte Befehl für größere Lagen

Sobald ein Einsatz über eine Einheit hinausgeht, reicht das kurze Schema nicht mehr. Für die Befehlsgebung an Zug- und Abschnittsführer wird ein umfangreicherer Aufbau verwendet, der auch den Rahmen mitliefert.

Lage

Was ist geschehen, wie ist der aktuelle Stand, welche Kräfte sind im Einsatz und was ist zu erwarten. Kurz gehalten, aber ausreichend, damit der Empfänger eigenständig mitdenken kann.

Auftrag

Was der Empfänger erreichen soll. Formuliert als Ziel, nicht als Arbeitsanweisung. Wie er es erreicht, bleibt ihm überlassen.

Durchführung

Welche Kräfte er bekommt, welche Abschnitte gebildet sind, welche Einschränkungen gelten und was die Nachbarn tun.

Versorgung

Woher Material, Atemschutz, Kraftstoff und Verpflegung kommen, wo der Bereitstellungsraum liegt und wie die Ablösung geregelt ist.

Führung und Verbindung

Wer führt, wo die Führungsstelle liegt, auf welchem Kanal gesprochen wird und wann die nächste Rückmeldung erwartet wird.

Der letzte Punkt wird am häufigsten vergessen und ist der folgenreichste. Wenn nicht gesagt wird, wann die nächste Rückmeldung erwartet wird, kommt sie erst, wenn etwas schiefgeht.

Auftragstaktik statt Befehlstaktik

Ein Punkt, an dem sich Lehrgangswissen und Praxis oft reiben. Der Auftrag beschreibt idealerweise das Ziel und nicht den Weg dorthin. Wer die Aufgabe kennt und nicht nur den Handgriff, kann vor Ort auf Abweichungen reagieren.

Ein Beispiel. „Riegelstellung zum Nachbargebäude, Übergreifen des Feuers verhindern" gibt das Ziel vor. „Ein B-Rohr an der Ostseite in Stellung bringen" gibt den Handgriff vor. Stellt sich vor Ort heraus, dass die Ostseite nicht erreichbar ist, kann der erste Auftrag weiterhin erfüllt werden, der zweite nicht.

Das heißt nicht, dass Mittel und Weg nie vorgegeben werden. Wenn die Führungskraft Informationen hat, die die Einheit nicht hat, gehören sie in den Befehl. Es heißt nur, dass eine Vorgabe einen Grund haben sollte.

Die häufigsten Fehler

Der Befehl auf der Lagekarte

Erteilte Befehle gehören auf die Lagekarte, und zwar in Form der Kräfte und Maßnahmen, die daraus entstehen. Wer den Angriffstrupp ins zweite Obergeschoss geschickt hat, trägt die Einheit dort ein und ergänzt das Maßnahmenzeichen für die Menschenrettung.

Taktisches Zeichen Trupp Brandbekämpfung
Trupp
Taktisches Zeichen Retten
Retten
Taktisches Zeichen Brandbekämpfung
Brandbekämpfung
Taktisches Zeichen Einsatzabschnitt
Einsatzabschnitt

Damit lässt sich jederzeit prüfen, ob für jede offene Aufgabe ein Auftrag erteilt wurde und ob jede eingesetzte Kraft einen hat. Beide Fragen beantwortet die Karte schneller als jede Erinnerung.

Übrigens: Für die Rückmeldung, also die Gegenrichtung des Befehls, gilt ebenfalls ein festes Schema. Es steht im Beitrag Lagemeldung und Rückmeldung.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Feuerwehr-Dienstvorschrift 100: Führung und Leitung im Einsatz
  • Feuerwehr-Dienstvorschrift 3: Einheiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz