Wissen › Lagemeldung
📻 FührungLagemeldung und Rückmeldung
Der Befehl geht nach unten, die Meldung kommt zurück. Ohne sie bricht der Führungsvorgang ab, weil die Kontrolle fehlt. Diese Rückrichtung ist genauso wichtig wie der Befehl und wird trotzdem deutlich seltener geübt.
Dieser Beitrag schließt die Reihe zur Einsatzführung ab. Er baut auf dem Führungsvorgang und dem Befehlsschema auf.
Erste Rückmeldung, Zwischenmeldung, Schlussmeldung
Es gibt nicht die eine Meldung, sondern drei Anlässe mit unterschiedlichem Zweck.
Die erste Rückmeldung geht kurz nach dem Eintreffen an die Leitstelle. Sie soll klären, ob die alarmierten Kräfte reichen. Alles, was in diesem Moment noch unklar ist, darf unklar bleiben. Wichtig ist die Geschwindigkeit, nicht die Vollständigkeit.
Die Zwischenmeldung hält den Stand fest, während der Einsatz läuft. Sie kommt zu vereinbarten Zeitpunkten oder wenn sich etwas Wesentliches ändert.
Die Schlussmeldung beendet den Einsatz und hält fest, was das Ergebnis war. Sie ist gleichzeitig die Grundlage für die Dokumentation.
Der Aufbau einer Rückmeldung
Wie beim Befehl gibt es ein Schema, damit nichts Wesentliches fehlt und die empfangende Stelle die Angaben in gewohnter Reihenfolge bekommt.
Rufname und Funktion. Ohne das kann die Leitstelle die Meldung keiner Einsatzstelle zuordnen.
Was liegt tatsächlich vor. Objekt, Umfang, betroffene Personen, erkannte Gefahren.
Welche Maßnahmen laufen bereits. Damit weiß die Leitstelle, was sie nicht mehr organisieren muss.
Nachforderungen, möglichst konkret. „Zwei weitere Löschfahrzeuge" ist brauchbar, „mehr Kräfte" nicht.
Warum diese Reihenfolge
Die Abfolge folgt der Dringlichkeit für den Empfänger. Zuerst die Zuordnung, dann das Problem, dann die eigene Reaktion, zuletzt der Bedarf.
Der häufigste Fehler ist, mit der Nachforderung anzufangen. „Wir brauchen dringend mehr Kräfte" ohne vorherige Lagebeschreibung zwingt die Leitstelle zu Rückfragen und kostet mehr Zeit, als die geordnete Meldung gedauert hätte.
Der zweithäufigste Fehler ist, die eigenen Maßnahmen wegzulassen. Wenn nicht gemeldet wird, dass die Menschenrettung schon läuft, alarmiert die Leitstelle unter Umständen weitere Kräfte genau dafür.
Die Lagemeldung bei größeren Einsätzen
Sobald Abschnitte gebildet sind, wird aus der Rückmeldung eine strukturierte Lagemeldung. Sie enthält mehr und wird meist schriftlich weitergegeben.
- Zeitpunkt. Stand von wann. Ohne Uhrzeit ist eine Lagemeldung wertlos, weil niemand weiß, ob sie noch gilt.
- Allgemeine Lage. Was ist geschehen, wie hat es sich seit der letzten Meldung entwickelt.
- Eigene Lage. Welche Kräfte sind wo eingesetzt, welche Abschnitte bestehen, wer führt sie.
- Betroffene. Zahl der Verletzten nach Dringlichkeit, Vermisste, Evakuierte, Untergebrachte.
- Maßnahmen. Was läuft, was ist abgeschlossen, was ist geplant.
- Bedarf. Was fehlt, und bis wann wird es gebraucht.
- Nächste Meldung. Wann die nächste Lagemeldung folgt.
Der letzte Punkt macht aus einer Momentaufnahme eine verlässliche Kette. Wer weiß, wann die nächste Meldung kommt, kann bis dahin planen. Fehlt die Angabe, fragt irgendwann jemand nach, und Nachfragen binden Kapazität auf beiden Seiten.
Von der Meldung in die Lagekarte
Jede eingehende Meldung sollte in die Karte wandern, bevor die nächste angenommen wird. Das klingt selbstverständlich und ist im Betrieb der Punkt, an dem es am häufigsten hakt.
Die Übersetzung ist mechanisch, wenn man die Zeichen kennt. Eine Meldung über eine gerettete Person ändert das Personenzeichen. Eine Meldung über eine neu eingetroffene Einheit setzt ein Einheitenzeichen. Eine Meldung über eine abgeschlossene Maßnahme führt dazu, dass das Maßnahmenzeichen gestrichen und nicht gelöscht wird.




Wer diese Übersetzung sicher beherrscht, führt eine Lagekarte nebenbei mit. Wer bei jedem Zeichen überlegen muss, kommt nicht hinterher und lässt es irgendwann bleiben. Das ist der eigentliche Grund, warum sich das Üben der Zeichen lohnt: nicht für die Prüfung, sondern für die Geschwindigkeit im Einsatz.
Meldedisziplin
Vier Gewohnheiten machen den Unterschied zwischen brauchbarem und unbrauchbarem Funkverkehr.
- Vor dem Sprechen überlegen. Wer die Meldung vorher im Kopf sortiert, braucht die halbe Sendezeit. Der Kanal wird geteilt, jede Sekunde fehlt jemand anderem.
- Beobachtung und Bewertung trennen. „Starke Rauchentwicklung aus dem Dachstuhl" ist eine Beobachtung. „Das Gebäude ist verloren" ist eine Bewertung. Beides ist zulässig, sollte aber unterscheidbar bleiben.
- Unsicherheit benennen. „Vermutlich zwei Personen im Gebäude" ist eine bessere Meldung als „zwei Personen im Gebäude", wenn die Zahl auf einer Aussage von Nachbarn beruht.
- Auch melden, wenn nichts passiert ist. Eine Meldung, dass ein Auftrag noch läuft und länger dauert, verhindert Nachfragen und falsche Annahmen.
Die Reihe im Überblick
Damit ist der Kreis geschlossen. Die vier Beiträge dieser Reihe bauen aufeinander auf.
Quellen und weiterführende Informationen
- Feuerwehr-Dienstvorschrift 100: Führung und Leitung im Einsatz
- Feuerwehr-Dienstvorschrift 810: Sprechfunkdienst