Taktische Zeichen TrainerWissen rund um taktische Zeichen der BOS

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🧑 Personen

Personen und Betroffene

Zu einer vollständigen Lage gehören auch die Menschen. Eigene Zeichen halten fest, wie viele Betroffene es gibt und in welchem Zustand sie sind. Bei Lagen mit vielen Verletzten wird daraus die Grundlage jeder Führungsentscheidung.

Die Führung muss wissen, wie viele Menschen verletzt sind, wer noch vermisst wird und wohin die Geretteten gebracht wurden. Auf der Lagekarte lässt sich das mit den Personenzeichen abbilden, sodass der Stand jederzeit sichtbar bleibt. Der Vorteil gegenüber einer Liste liegt darin, dass die Information einen Ort hat. Zwölf Verletzte an drei verschiedenen Stellen erfordern eine andere Planung als zwölf Verletzte an einer.

Die wichtigsten Personenzeichen

Taktisches Zeichen Person
Person

Das allgemeine Zeichen für eine betroffene Person ohne nähere Angabe. Wird gesetzt, solange der Zustand unbekannt ist.

Taktisches Zeichen verletzte Person
Verletzte Person

Eine verletzte, zu versorgende Person. Das häufigste Personenzeichen auf einer Lagekarte.

Taktisches Zeichen vermisste Person
Vermisste Person

Eine Person, die gesucht wird. Der Ort des Zeichens ist hier besonders wichtig, weil er den letzten bekannten Aufenthaltsort markiert.

Taktisches Zeichen verschüttete Person
Verschüttete Person

Eine Person unter Trümmern. Bei Einsturzlagen das zentrale Zeichen, weil daran die gesamte Rettungsplanung hängt.

Taktisches Zeichen verschüttete verletzte Person
Verschüttete, verletzte Person

Kombination aus beidem. Die Unterscheidung ist relevant, weil sie über die Dringlichkeit der Bergung entscheidet.

Taktisches Zeichen gerettete Person
Gerettete Person

Eine Person, die aus der Gefahr befreit wurde. Erst dieses Zeichen macht den Fortschritt auf der Karte sichtbar.

Taktisches Zeichen zu transportierende Person
Zu transportierende Person

Versorgt und wartet auf ein Transportmittel. Häufungen dieses Zeichens zeigen einen Engpass beim Abtransport.

Taktisches Zeichen transportierte Person
Transportierte Person

Bereits abtransportiert. Damit lässt sich die Bilanz führen, ohne die ursprüngliche Zahl zu verlieren.

Taktisches Zeichen tote Person
Tote Person

Kennzeichnet einen Verstorbenen. Auf der Karte bleibt der Eintrag bestehen, weil der Ort für die spätere Untersuchung Bedeutung hat.

Die Zahl am Zeichen

Ein einzelnes Personenzeichen für jede betroffene Person zu zeichnen, funktioniert bei drei Verletzten und scheitert bei dreißig. Deshalb wird die Anzahl an das Zeichen geschrieben. Ein Zeichen für verletzte Personen mit der Zahl 8 steht für acht Verletzte an dieser Stelle.

Beim Fortschreiben der Karte ist das der Punkt, an dem die meisten Fehler passieren. Wenn vier der acht Verletzten abtransportiert sind, muss die Zahl korrigiert werden. Eine Lagekarte, auf der die Zahlen nicht gepflegt werden, ist bei Lagen mit vielen Betroffenen schlimmer als keine Karte, weil sie eine Genauigkeit vortäuscht, die nicht besteht.

Zusammenhang mit den Sichtungskategorien

Beim Massenanfall von Verletzten werden Betroffene gesichtet und in Kategorien eingeteilt, die über die Behandlungsreihenfolge entscheiden. Die Personenzeichen und die Sichtungskategorien sind zwei verschiedene Systeme, die zusammen gelesen werden.

Die genaue Ausgestaltung und Farbgebung regeln die Länder und Rettungsdienstbereiche unterschiedlich. Den vollständigen Sichtungsprozess mit dem aktuellen Planungsschlüssel behandelt der Beitrag MANV und Sichtung. Auf der Lagekarte wird die Kategorie meist als Zusatz zum Personenzeichen geführt, etwa in der Form einer Aufteilung der Gesamtzahl nach Kategorien an der Patientenablage. Dadurch sieht die Einsatzleitung, ob überwiegend kritische oder überwiegend leichte Fälle warten, was direkt die Transportpriorität bestimmt.

Betroffene, die nicht verletzt sind

Bei Evakuierungen, Bränden in Wohnhäusern und Unwetterlagen sind oft mehr Menschen betroffen als verletzt. Sie brauchen Unterbringung, Betreuung und Information. Auf der Karte werden sie mit dem allgemeinen Personenzeichen und der Anzahl geführt, verbunden mit der zuständigen Betreuungsstelle. Diese Gruppe wird regelmäßig unterschätzt, bindet aber oft die meisten Kräfte über die längste Zeit.

Tiere

Für Tiere gibt es eigene Zeichen, unterschieden nach unverletzt, verletzt und verendet. Gebraucht werden sie bei Stallbränden, Transportunfällen und Tierseuchenlagen. In der Praxis kommen sie selten vor, und genau deshalb lohnt es sich, sie einmal gesehen zu haben.

Bei einem Stallbrand ist die Zahl der Tiere die entscheidende Planungsgröße. Sie bestimmt, wie viele Kräfte für das Heraustreiben gebraucht werden, wohin die Tiere gebracht werden und ob ein Tierarzt erforderlich ist. Auf der Karte gehört deshalb zum Tierzeichen eine Sammelstelle, sonst laufen befreite Tiere in den Einsatzraum und behindern alles Weitere.

Ein Punkt, der Einsatzkräfte regelmäßig überrascht: Großtiere in Panik sind eine ernste Gefahr für die eingesetzten Kräfte. Wo mit ihnen gearbeitet wird, gehört ein Gefahrenzeichen daneben und im Regelfall eine fachkundige Person hinzugezogen — der Tierhalter selbst, ein Tierarzt oder die zuständige Veterinärbehörde. Die Zeichen dafür finden sich bei den Personen und Betroffenen.

Vermisst ist kein Zustand, sondern eine Aufgabe

Unter allen Personenzeichen ist das für vermisste Personen das anspruchsvollste, weil es keine Feststellung beschreibt, sondern eine offene Frage. Eine vermisste Person ist irgendwo — und solange das so ist, bindet sie Kräfte und verbietet bestimmte Maßnahmen.

Daraus folgt eine Regel, die in Trümmerlagen über Leben entscheidet: Solange Personen vermisst werden, wird nicht maschinell geräumt. Auf der Karte muss deshalb erkennbar sein, für welche Bereiche die Ortung abgeschlossen ist und für welche nicht. Ohne diese Abgrenzung lässt sich der Einsatz von Räumgerät nicht verantworten.

Genauso wichtig ist die Herkunft der Zahl. „Drei Personen vermisst" hat einen anderen Wert, wenn es aus einer Meldeliste stammt, als wenn es ein Nachbar auf der Straße gesagt hat. Auf einer gut geführten Karte steht deshalb neben der Zahl die Quelle in Kurzform, und sie wird korrigiert, sobald eine belastbarere Information vorliegt. Die häufigste Ursache für zu lange Suchen ist eine Zahl, die niemand mehr hinterfragt hat.

Ein vermisster Mensch, der sich wiederfindet, wandert auf der Karte in einen anderen Zustand — gerettet, verletzt, oder einfach betreut. Dieser Übergang wird vergessen, sobald der Einsatz hektisch wird. Es lohnt sich, ihn zur festen Gewohnheit zu machen: erst die alte Zahl senken, dann die neue setzen.

Personenzahlen in der Lagemeldung

Die Zahlen auf der Karte und die Zahlen in der Lagemeldung müssen übereinstimmen, und zwar zu einem definierten Zeitpunkt. In der Praxis laufen sie auseinander, weil die Karte laufend fortgeschrieben und die Meldung zu festen Zeiten abgesetzt wird.

Der übliche Umgang damit ist eine Stichzeit. Die Lagemeldung enthält die Zahlen mit dem Zusatz, auf welchen Zeitpunkt sie sich beziehen. Damit ist eine später eintreffende höhere Zahl kein Widerspruch, sondern eine Fortschreibung. Ohne Stichzeit entsteht der Eindruck, jemand habe sich verzählt — und genau daraus werden im Nachgang Vorwürfe.

Für Lagen mit vielen Betroffenen empfiehlt sich eine einfache Gliederung, die sich direkt aus den Zeichen ergibt: wie viele insgesamt betroffen, wie viele davon verletzt, wie viele bereits transportiert, wie viele noch vermisst. Vier Zahlen, die zusammen aufgehen müssen. Wie eine solche Meldung aufgebaut wird, steht im Beitrag Die Lagemeldung.

Sorgfalt bei einem sensiblen Thema

Personenzeichen halten fest, was Menschen zugestoßen ist. Eine Lagekarte ist ein Arbeitsmittel und wird im Nachgang auch zur Dokumentation. Sie sollte deshalb sachlich geführt werden, ohne Namen und ohne zusätzliche Angaben, die nicht für die Einsatzführung gebraucht werden. Wer Notizen zu einzelnen Personen braucht, führt sie getrennt und nicht auf der Karte, die im Einsatz herumgereicht wird.

Zusammenhang: Zu den Personen gehören die passenden Einrichtungen wie Behandlungsplatz und Patientenablage. Mehr dazu steht im Beitrag Einrichtungen. Alle Personenzeichen im Überblick findest du auf der Seite Personen und Betroffene.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Taktische Zeichen im Bevölkerungsschutz, bbk.bund.de
  • Konsensuskonferenz zur Sichtung von Notfallpatienten: bundeseinheitliche Sichtungskategorien