Zeichen › Personen und Betroffene
🧍 PersonenPersonen und Betroffene als taktische Zeichen
Diese Zeichen halten fest, wie viele Menschen betroffen sind und in welchem Zustand. Aus dieser Zählung ergibt sich der Kräftebedarf, und deshalb ist sie eine der wichtigsten Angaben überhaupt.
Bei jeder Lage mit betroffenen Menschen stellt die Leitstelle dieselben Fragen: Wie viele sind es, wie schwer sind sie betroffen, und wie viele werden noch vermisst. Die Antworten darauf bestimmen, wie viele Kräfte nachgefordert werden.
Die Personenzeichen sind das Mittel, diese Antworten festzuhalten. Sie werden mit einer Zahl versehen und an der Stelle eingetragen, an der die Personen sind oder vermutet werden. Auf diese Weise entsteht ein Bild, das sich zusammenzählen lässt.
Eine Regel ist dabei wichtiger als alle anderen: Eine Person verschwindet nie einfach von der Karte. Sie wechselt ihren Zustand. Aus vermisst wird gefunden, aus verschüttet wird gerettet, aus gerettet wird transportiert. Wer Zeichen löscht, statt sie zu ändern, verliert den Überblick darüber, ob alle erfasst sind.
Grundzeichen für Personen 3
Das Grundzeichen steht für eine Person ohne nähere Bestimmung. Es wird verwendet, wenn nur bekannt ist, dass sich jemand an einer Stelle befindet.
Das Zeichen für eine Person unter Atem- oder Körperschutz benennt eine Einsatzkraft im Gefahrenbereich. Es ist sicherheitsrelevant, denn Atemschutzgeräte haben eine begrenzte Einsatzzeit. Wer im Gefahrenbereich ist, muss erfasst und überwacht werden, und die Karte ist dafür ein Hilfsmittel neben der Atemschutzüberwachung.



Verletzte und Tote 6
Die Zahl der Verletzten ist die Größe, an der die gesamte Planung im Sanitätsdienst hängt. Sie bestimmt, wie viele Rettungsmittel nötig sind, ob ein Behandlungsplatz aufgebaut wird und ob der Leitende Notarzt alarmiert werden muss.
In der Praxis wird die Zahl nach Sichtungskategorien weiter untergliedert, von der lebensbedrohlichen Verletzung bis zur leichten. Auf der Lagekarte wird diese Untergliederung als Zahl neben dem Zeichen vermerkt.
Verstorbene werden getrennt geführt. Das hat einen praktischen Grund: Sie binden keine Rettungsmittel und dürfen die Zählung der zu Transportierenden nicht verfälschen. Ihr Ort wird dokumentiert, weil bei ungeklärten Todesfällen Ermittlungen folgen und die Fundstelle dafür von Bedeutung ist.






Vermisste und Verschüttete 7
Vermisste Personen sind der Grund, warum ein Einsatz weiterläuft, auch wenn die sichtbare Gefahr beseitigt ist. Solange jemand vermisst wird, wird gesucht, und schweres Gerät darf nicht eingesetzt werden.
Die Angabe muss deshalb belastbar sein. Sie stützt sich auf Meldungen von Angehörigen, auf Klingelschilder, auf Anwesenheitslisten und auf Zeugenaussagen. Jede dieser Quellen kann falsch sein, weshalb auf der Karte vermerkt gehört, worauf die Zahl beruht.
Verschüttete Personen sind ein Sonderfall mit eigener Dringlichkeit. Die Überlebenswahrscheinlichkeit sinkt mit der Zeit deutlich, weshalb Ortung und Rettung parallel laufen. Das Zeichen für eine verschüttete und zugleich verletzte Person hält fest, dass eine medizinische Versorgung noch während der Bergung nötig ist.
Eingeschlossene oder abgeschnittene Personen sind erreichbar, aber nicht in der Lage, sich selbst zu befreien. Bei Hochwasser betrifft das Menschen in oberen Geschossen, deren Gebäude umflutet ist.







Gerettete und transportierte Personen 4
Diese Zeichen dokumentieren den Fortschritt. Sie sind der Gegenpol zu den Vermissten und machen sichtbar, wie viele Menschen bereits in Sicherheit sind.
Die Unterscheidung zwischen zu transportierender und transportierter Person ist bei einem Massenanfall die zentrale Buchführung. Aus ihr ergibt sich, wie viele Patienten noch am Behandlungsplatz warten und wie viele Transportmittel noch gebraucht werden.
Das Zeichen für obdachlose Personen benennt Betroffene, die ihre Wohnung verloren haben. Nach einem Wohnungsbrand ist das die Gruppe, die nach dem Ende des Einsatzes weiterversorgt werden muss, in aller Regel durch die Gemeinde und den Betreuungsdienst.




Zielpersonen 3
Zielpersonen kommen bei Sucheinsätzen vor. Der Begriff bezeichnet die Person, nach der gesucht wird, im Unterschied zu weiteren Betroffenen, die dabei gefunden werden.
Bei einer Vermisstensuche ist diese Unterscheidung praktisch bedeutsam. Die Suche ist auf eine bestimmte Person ausgerichtet, für die es eine Beschreibung, oft eine Geruchsprobe für Mantrailer und einen letzten bekannten Aufenthaltsort gibt. Dieser Punkt ist der Ausgangspunkt der gesamten Suchplanung und gehört auf die Karte.



Tiere 3
Tiere haben eigene Zeichen, weil sie im Einsatz regelmäßig eine Rolle spielen und eigene Maßnahmen erfordern. Bei einem Stallbrand geht es um große Zahlen, bei einem Unfall mit einem Tiertransporter um Tiere auf der Fahrbahn.
Für die Einsatzleitung sind zwei Punkte wichtig. Verletzte Tiere können gefährlich werden und verlangen fachkundige Hilfe, weshalb ein Tierarzt hinzugezogen wird. Und die Rettung von Tieren darf Einsatzkräfte nicht in Gefahr bringen, was in der Praxis eine schwierige Entscheidung sein kann.



Die Zählung muss aufgehen
Am Ende eines Einsatzes mit vielen Betroffenen muss eine einfache Rechnung stimmen. Die Zahl der ursprünglich gemeldeten Personen muss der Summe aus geretteten, transportierten, verstorbenen und noch vermissten entsprechen.
Geht diese Rechnung nicht auf, fehlt jemand, und der Einsatz ist nicht beendet. Genau deshalb werden Personenzeichen fortgeschrieben statt gelöscht. Die Karte ist dann zugleich das Dokument, mit dem sich diese Rechnung nachvollziehen lässt.
Bei größeren Lagen wird diese Buchführung durch Registrierung und Patientenanhängekarten unterstützt. Die Karte bleibt trotzdem das Mittel, mit dem die Führung den Überblick behält. Wie eine solche Lage insgesamt dargestellt wird, zeigt der Beitrag Lagekarten an Beispielen.
Prüfliste: Geht die Zählung auf?
Personenzeichen sind die einzige Zeichengruppe, bei der ein Rechenfehler unmittelbar Folgen hat. Diese Fragen decken die typischen Brüche auf.
- Stimmt die Gesamtzahl mit der Summe der Einzelzahlen überein? Betroffene verteilen sich auf Schadenstelle, Patientenablage, Behandlungsplatz und Abtransport. Die Teilzahlen müssen die Gesamtzahl ergeben — tun sie es nicht, ist irgendwo eine Fortschreibung ausgeblieben.
- Wurde der alte Zustand gestrichen? Eine gerettete Person ist nicht mehr vermisst. Wird nur das neue Zeichen gesetzt, verdoppelt sich die Person auf dem Papier — der häufigste Fehler in dieser Gruppe.
- Woher stammt die Zahl? Eine Meldeliste ist etwas anderes als eine Aussage auf der Straße. Die Quelle gehört in Kurzform dazu und wird korrigiert, sobald Belastbareres vorliegt.
- Sind die Unverletzten erfasst? Bei Evakuierungen und Wohnungsbränden sind es meist die meisten Menschen, und sie binden über die längste Zeit die meisten Kräfte. Auf Karten fehlen sie trotzdem regelmäßig.
- Ist die Sichtungskategorie zugeordnet? Zwölf Verletzte sagen wenig. Zwölf Verletzte, davon drei SK I, sagen alles über die Transportpriorität.
- Steht nichts Personenbezogenes auf der Karte? Keine Namen, keine Diagnosen. Eine Lagekarte wird herumgereicht und fotografiert. Was zur Dokumentation gehört, läuft über das Einsatztagebuch.
Vermisste verdienen dabei eine eigene Aufmerksamkeit, weil sie keinen Zustand beschreiben, sondern eine offene Aufgabe. Solange Personen vermisst werden, wird in Trümmerlagen nicht maschinell geräumt — welche Bereiche die Ortung abgeschlossen hat, muss deshalb auf der Karte stehen.