Zeichen › Einheiten des Sanitätsdienstes
🚑 EinheitenEinheiten des Sanitäts- und Betreuungsdienstes
Die Hilfsorganisationen stellen im Katastrophenschutz den Sanitäts- und Betreuungsdienst. Ihre Einheiten sind nach Aufgaben gegliedert, und genau diese Gliederung bilden die Zeichen ab.
Rotes Kreuz, Malteser, Johanniter, Arbeiter-Samariter-Bund und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft arbeiten im Katastrophenschutz nach vergleichbarer Gliederung. Deshalb stimmen ihre taktischen Zeichen weitgehend überein, auch wenn die Organisationen verschieden sind.
Zwei Begriffe tauchen immer wieder auf und werden leicht verwechselt. Die Schnelleinsatzgruppe ist eine kleine, schnell verfügbare Einheit für den Erstzugriff. Die Einsatzeinheit ist deutlich größer und für längere Lagen ausgelegt. Wer beide Zeichen sicher unterscheidet, kann aus einer Lagekarte ablesen, ob eine Lage im Erstzugriff steckt oder ob bereits strukturiert gearbeitet wird.
Auf der Karte hängt an diesen Einheiten fast immer eine Örtlichkeit. Eine Behandlungsplatz-Bereitschaft baut einen Behandlungsplatz auf, eine Betreuungseinheit eine Betreuungsstelle. Einheit und Örtlichkeit gehören deshalb zusammen eingetragen.
Schnelleinsatzgruppen 5
Die Schnelleinsatzgruppe ist die Einheit für den ersten Zugriff. Sie wird über Meldeempfänger alarmiert, ist innerhalb kurzer Zeit verfügbar und deckt eine klar umrissene Aufgabe ab.
Die Ausprägungen unterscheiden sich erheblich. Eine SEG Erstversorgung übernimmt die medizinische Erstversorgung mehrerer Patienten, eine SEG Transport stellt Transportkapazität, eine SEG Betreuung kümmert sich um unverletzte Betroffene. Eine SEG Rettungshunde bringt Suchhundeteams mit.
Für die Führung ist die Ausprägung die eigentliche Information. Drei Schnelleinsatzgruppen auf der Karte sagen wenig, solange nicht erkennbar ist, welche Aufgaben sie abdecken. Bei einem Massenanfall von Verletzten kann eine fehlende SEG Transport zum Engpass werden, während gleichzeitig Behandlungskapazität ungenutzt bleibt.





Einsatzeinheit und Bereitschaften 4
Die Einsatzeinheit ist der größere Verband im Katastrophenschutz der Länder. Sie umfasst mehrere Gruppen mit unterschiedlichen Aufgaben und kann über längere Zeit selbstständig arbeiten.
Die Bereitschaften sind auf eine Leistung hin aufgebaut. Eine Behandlungsplatz-Bereitschaft richtet einen Behandlungsplatz ein, an dem Patienten nach Sichtungskategorie geordnet versorgt werden. Eine Betreuungsplatzbereitschaft schafft Platz für unverletzte Betroffene, mit Verpflegung, Unterkunft und Registrierung.
Beide brauchen Fläche, Zufahrt und Zeit für den Aufbau. Wer sie einträgt, sollte deshalb die Fläche mit einzeichnen, die sie beanspruchen. Ein Behandlungsplatz, der nachträglich verlegt werden muss, kostet mehr Zeit als der ursprüngliche Aufbau.




Sanitätsdienstliche Einheiten 8
Diese Zeichen decken die medizinische Seite ab. Die Arztgruppe bringt ärztliche Kompetenz an die Einsatzstelle, die Transporteinheiten bewegen Patienten vom Behandlungsplatz zu den aufnehmenden Kliniken.
Die Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung ist die Führungsunterstützung des Sanitätsdienstes. Sie arbeitet dem Leitenden Notarzt und dem Organisatorischen Leiter Rettungsdienst zu, führt die Patientenübersicht und hält den Kontakt zur Leitstelle.
Diese Übersicht ist bei einem Massenanfall die kritische Größe. Wer wie viele Patienten mit welcher Sichtungskategorie wohin transportiert hat, muss lückenlos dokumentiert sein. Ohne diese Einheit übernimmt das jemand nebenbei, und genau dort entstehen die Lücken.








Betreuungsdienst 5
Der Betreuungsdienst kümmert sich um Menschen, die nicht verletzt, aber betroffen sind. Nach einer Evakuierung, einem Wohnungsbrand oder einem Hochwasser sind das oft erheblich mehr Personen als Verletzte.
Die Aufgaben sind konkret: Unterkunft schaffen, Verpflegung sicherstellen, Betroffene registrieren, Angehörige zusammenführen. Die Registrierung ist dabei die Aufgabe, die am häufigsten unterschätzt wird und ohne die später niemand sagen kann, wer in Sicherheit ist.
Auf der Lagekarte gehört der Betreuungsdienst dorthin, wo die Betroffenen gesammelt werden. Das ist selten am Schadenort, sondern meist in einer Halle oder Schule in der Nähe. Diese Örtlichkeit muss auf die Karte, weil Zufahrt und Verpflegung dorthin organisiert werden.





Psychosoziale Notfallversorgung 6
Die psychosoziale Notfallversorgung betreut Menschen nach belastenden Ereignissen. Sie richtet sich an Betroffene und Angehörige, aber ausdrücklich auch an Einsatzkräfte.
Dass es für diese Aufgabe eine eigene Größenstaffelung von Trupp bis Zug gibt, zeigt ihren Stellenwert. Bei einem Schulunfall, einem Bahnunglück oder einem Ereignis mit vielen Toten kann der Betreuungsbedarf den medizinischen Bedarf zahlenmäßig weit übersteigen.
Für die Karte gilt dasselbe wie beim Betreuungsdienst: Diese Kräfte brauchen einen geschützten Ort, an dem ungestört gesprochen werden kann. Ein Platz mitten in der Einsatzstelle erfüllt diesen Zweck nicht.






Rettungshunde 2
Rettungshundestaffeln der Hilfsorganisationen suchen vermisste Personen in der Fläche und in Trümmern. Sie werden über die Leitstelle angefordert und arbeiten eng mit den Führungskräften vor Ort zusammen.
Auf der Karte wird der abgesuchte Bereich festgehalten, nicht nur der Standort des Teams. Erst diese Flächenangabe macht die Arbeit für die weitere Planung nutzbar.


Einheiten und Örtlichkeiten zusammen lesen
Eine Lagekarte im Sanitätsdienst wird erst dann aussagekräftig, wenn Einheiten und Örtlichkeiten zusammen eingetragen sind. Die Einheit sagt, wer arbeitet. Die Örtlichkeit sagt, wo der Patientenfluss verläuft.
Der Weg eines Betroffenen ist dabei immer derselbe: von der Patientenablage nahe am Schadenort über den Behandlungsplatz zum Rettungsmittelhalteplatz und von dort in die Klinik. Eine gut geführte Karte zeigt diesen Weg räumlich, und jede Stelle, an der er stockt, wird darauf sichtbar.
Die zugehörigen Örtlichkeitszeichen stehen bei den Einrichtungen, die Rettungsmittel bei den Fahrzeugen des Rettungsdienstes.
Häufige Fragen zu den Einheiten der Hilfsorganisationen
Was ist der Unterschied zwischen SEG und Einsatzeinheit?
Die Schnelleinsatzgruppe ist klein, schnell und auf eine Aufgabe zugeschnitten — es gibt SEG Behandlung, SEG Transport, SEG Betreuung und SEG Technik und Sicherheit. Sie ergänzt den Rettungsdienst bei Lagen, die dessen Alltagskapazität übersteigen. Die Einsatzeinheit ist ein größerer Verband aus mehreren solchen Gruppen und kommt aus dem Katastrophenschutz. Sie braucht länger bis zur Einsatzbereitschaft, kann dafür aber eigenständig über längere Zeit arbeiten.
Wie viele Kräfte hat eine Einsatzeinheit?
Das regeln die Länder unterschiedlich. In Nordrhein-Westfalen umfasst eine Einsatzeinheit rund 33 Kräfte, gegliedert in Führungstrupp, zwei Sanitätsgruppen, eine Betreuungsgruppe und eine Gruppe Technik und Sicherheit. Andere Länder haben eigene Zuschnitte. Für die Lagekarte heißt das: Die Personalstärke gehört als Zusatz an das Zeichen, weil sie sich nicht aus dem Symbol allein ergibt.
Wofür steht PSNV?
Psychosoziale Notfallversorgung. Sie betreut Betroffene, Angehörige und Einsatzkräfte nach belastenden Ereignissen. Auf der Karte wird zwischen der Betreuung von Betroffenen (PSNV-B) und der von Einsatzkräften (PSNV-E) unterschieden, weil beide an verschiedenen Orten stattfinden und verschiedene Kräfte binden. PSNV-E wird regelmäßig vergessen — und ist bei Einsätzen mit Kindern oder getöteten Kollegen der Teil, der am längsten nachwirkt.
Warum haben DRK, Malteser, Johanniter und ASB teils eigene Zeichen?
Die Grundformen sind gleich, das Organisationskennzeichen unterscheidet sich. Auf einer Lagekarte ist diese Information nicht nur Beiwerk: Sie sagt, über welchen Weg eine Einheit nachalarmiert und über welche Leitstelle sie geführt wird. Bei organisationsübergreifenden Lagen ist das die Angabe, die man braucht, wenn Nachschub oder Ablösung organisiert werden muss.
Wann reicht der Rettungsdienst und wann brauche ich diese Einheiten?
Als grober Anhalt gilt: Sobald mehr Betroffene zu versorgen sind, als im Regeldienst verfügbare Rettungsmittel transportieren können, wird nachalarmiert. Die Zahl liegt je nach Region zwischen fünf und zehn. Die Entscheidung fällt früh und auf Verdacht, weil die Einheiten Anfahrts- und Aufbauzeit brauchen. Eine zurückgenommene Alarmierung kostet wenig, eine verspätete kostet Zeit, die nicht aufzuholen ist.