Zeichen › Maßnahmen
🛠 MaßnahmenMaßnahmen als taktische Zeichen
Maßnahmenzeichen halten fest, was getan wird oder getan werden soll. Sie machen aus einer Bestandsaufnahme einen Plan und sind damit das Bindeglied zwischen Lage und Auftrag.
Die Zeichen für Kräfte sagen, wer da ist. Die Zeichen für Gefahren sagen, was droht. Erst die Maßnahmenzeichen sagen, was geschieht. Ohne sie ist eine Lagekarte eine Beschreibung ohne Handlung.
Eine Unterscheidung ist dabei so wichtig, dass sie über den Wert der ganzen Karte entscheidet: die zwischen geplant und durchgeführt. Eine Maßnahme, die angeordnet wurde, ist etwas anderes als eine, die läuft, und beide sind etwas anderes als eine abgeschlossene.
Eine Karte, die das nicht trennt, führt in die Irre, weil sie Absicht und Wirklichkeit vermischt. In der Praxis wird das über die Darstellung gelöst, etwa gestrichelt für geplant und durchgezogen für laufend, immer verbunden mit einer Uhrzeit.
Allgemeines Maßnahmenzeichen 1
Das allgemeine Maßnahmenzeichen wird verwendet, wenn für eine Tätigkeit kein eigenes Zeichen vorhanden ist. Es braucht dann zwingend eine Beschriftung, denn allein sagt es nur, dass an dieser Stelle etwas getan wird.
Der Bedarf dafür ist größer, als man vermuten würde. Kein Zeichensatz kann alle denkbaren Tätigkeiten abbilden, und gerade bei ungewöhnlichen Lagen entstehen Aufgaben, für die es kein Symbol gibt.

Brandbekämpfung und ABC-Maßnahmen 5
Die Brandbekämpfung ist die Kernmaßnahme der Feuerwehr. Auf der Karte wird sie an der Stelle eingetragen, an der ein Rohr vorgeht, und zeigt damit die Richtung des Angriffs.
Die ABC-Maßnahmen bilden eine feste Reihenfolge. Zuerst wird erkundet, dann gemessen, dann werden Schutzmaßnahmen festgelegt, und parallel dazu wird die Dekontamination aufgebaut. Diese Reihenfolge ist nicht verhandelbar, denn ohne Messergebnis lässt sich der Gefahrenbereich nicht abgrenzen.
Die Dekontamination hat auf der Karte eine besondere Stellung. Sie liegt an der Grenze zwischen Gefahren- und Absperrbereich und markiert damit den einzigen zulässigen Rückweg. Ihre Position legt praktisch fest, wo diese Grenze verläuft.





Retten und Bergen 6
Zwischen Retten und Bergen liegt ein Unterschied, der in der Fachsprache klar definiert ist. Gerettet werden Lebende, geborgen werden Sachen und Verstorbene. Die Unterscheidung ist nicht nur sprachlich, sie hat Folgen für die Dringlichkeit und für das Vorgehen.
Bei der Rettung zählt jede Minute, und es wird ein höheres Risiko in Kauf genommen. Bei der Bergung steht die Sicherheit der Einsatzkräfte im Vordergrund, und es kann auf günstigere Bedingungen gewartet werden. Auf der Karte sollte deshalb erkennbar sein, welche der beiden Maßnahmen läuft.
Die Rettung aus Höhen und Tiefen ist eine Aufgabe der Höhenrettung. Sie dauert regelmäßig länger, als Außenstehende erwarten, weil jede Sicherung doppelt ausgeführt wird. Die Ortung mit Rettungshunden geht jeder Rettung aus Trümmern voraus.






Wasser, Hochwasser und Ölschaden 9
Bei Hochwasserlagen sind diese Maßnahmen der Kern des Einsatzes. Das Pumpen entfernt Wasser aus Gebäuden, der Sandsackbau hält es fern. Beides gleichzeitig an derselben Stelle ist sinnlos, weshalb die Karte zeigen muss, welche Bereiche verteidigt und welche aufgegeben werden.
Die Trennung von Sandsackbefüllung und Sandsackbau ist praktisch bedeutsam. Die Befüllung findet an einem eigenen Ort statt, oft weit vom Verbau entfernt, und braucht viele Kräfte oder eine Füllmaschine. Der Transport dazwischen ist eine eigene logistische Aufgabe. Wer nur den Verbau einträgt, übersieht zwei Drittel des Aufwands.
Das Slippen von Booten und der Bootstransfer halten fest, wo Boote zu Wasser gelassen werden und wo Personen oder Material übergeben werden. Beide Punkte brauchen Platz und eine geregelte Zufahrt.









Bau, Räumen und Technik 6
Diese Maßnahmen führt überwiegend das Technische Hilfswerk aus. Das Räumen schafft Verkehrswege frei und ist nach Stürmen und Unwettern die häufigste Aufgabe überhaupt.
Beim Räumen in Trümmerlagen gilt die bereits genannte Regel: Solange Personen vermisst werden, wird nicht maschinell geräumt. Auf der Karte muss deshalb erkennbar sein, für welche Bereiche die Ortung abgeschlossen ist.
Das Beleuchten und die Stromerzeugung wirken nebensächlich, sind es aber nicht. Eine gut ausgeleuchtete Einsatzstelle ist sicherer, und die Arbeitsgeschwindigkeit steigt spürbar. Bei einem Stromausfall in einer Klinik ist die Notstromversorgung die Maßnahme, an der alles andere hängt.






Transport, Betreuung und Erkundung 6
Das Erkunden steht am Anfang jedes Einsatzes und begleitet ihn durchgehend. Auf der Karte wird eingetragen, welcher Bereich bereits erkundet wurde, denn nur so lässt sich erkennen, wo das Lagebild noch auf Vermutungen beruht.
Die Evakuierung ist eine der aufwendigsten Maßnahmen überhaupt. Sie verlangt Absperrung, Transport, Sammelstellen, Unterbringung und Verpflegung, und sie muss dokumentiert werden, Straßenzug für Straßenzug. Ohne diese Dokumentation lässt sich nicht sagen, ob ein Bereich tatsächlich geräumt ist.
Das Lotsen weist ortsunkundige Kräfte ein. Verpflegung und Seelsorge betreffen die Menschen, sowohl Betroffene als auch Einsatzkräfte. Beide gehören zu den Maßnahmen, die bei kurzen Einsätzen entfallen und bei langen über das Durchhaltevermögen entscheiden.






Maßnahme, Auftrag und Zeit
Ein Maßnahmenzeichen entfaltet seinen Wert erst mit zwei Zusätzen: der Einheit, die den Auftrag hat, und der Uhrzeit, seit wann. Ohne die Einheit ist unklar, wer verantwortlich ist. Ohne die Uhrzeit lässt sich nicht beurteilen, ob die Maßnahme voranschreitet.
Beim Schichtwechsel zeigt sich, ob eine Karte gut geführt wurde. Die ablösende Führungskraft muss aus ihr ablesen können, was läuft, seit wann, mit welchen Kräften und was als Nächstes geplant ist. Alles davon steckt in den Maßnahmenzeichen und ihren Zusätzen.
Wie ein Auftrag formuliert wird, steht im Beitrag Das Befehlsschema. Typische Fehler bei der Fortschreibung behandelt der Beitrag Fehler beim Führen einer Lagekarte.
Prüfliste: Ist die Maßnahme vollständig eingetragen?
Ein Maßnahmenzeichen allein sagt wenig. Diese sechs Fragen lassen sich in wenigen Sekunden durchgehen und decken die Lücken auf, die in der Praxis am häufigsten vorkommen.
- Wer führt sie aus? Ohne die Einheit ist unklar, wer verantwortlich ist und wen man bei einer Rückfrage anspricht. Eine Maßnahme ohne Träger ist eine Absichtserklärung.
- Seit wann läuft sie? Die Uhrzeit ist die einzige Angabe, aus der sich Fortschritt ableiten lässt. Drei Stunden Pumpen an derselben Stelle bedeuten etwas anderes als zwanzig Minuten.
- Geplant oder laufend? Eine angeordnete Maßnahme ist etwas anderes als eine begonnene. Wer beides gleich darstellt, vermischt Absicht und Wirklichkeit — gestrichelt für geplant, durchgezogen für laufend.
- Sitzt sie an der richtigen Stelle? Das Zeichen gehört dorthin, wo die Maßnahme wirkt, nicht dorthin, wo das Fahrzeug steht. Bei einer Wasserförderung über lange Wegstrecke sind das zwei sehr verschiedene Orte.
- Gibt es eine Gegenmaßnahme im selben Bereich? Pumpen und Sandsackbau an derselben Stelle schließen sich aus. Solche Widersprüche fallen nur auf, wenn beide eingetragen sind.
- Ist sie noch aktuell? Abgeschlossene Maßnahmen werden gestrichen, nicht gelöscht — mit Endzeit. Eine Karte mit alten Einträgen bindet in der Wahrnehmung Kräfte, die längst frei sind.
Die sechste Frage ist die, die am häufigsten übersehen wird. Eintragen fällt leicht, Streichen wird vergessen. Wer sich angewöhnt, bei jeder Fortschreibung einmal über die Karte zu gehen und Erledigtes zu markieren, hat nach zwei Stunden noch ein belastbares Bild.