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📻 FührungFunkrufnamen: warum es bei euch anders heißt als nebenan
„Florian Landau 01/46-1“ — wer das zum ersten Mal hört, versteht Bahnhof. Wer es zum zweiten Mal im Nachbarland hört, versteht etwas anderes. Das ist kein Missverständnis, sondern System: Für den gesprochenen Funkrufnamen gibt es in Deutschland keine bundesweit einheitliche Regelung.
Der Befund zuerst
Funkrufnamen werden von den Ländern geregelt, teilweise noch feiner von den Landkreisen und kreisfreien Städten. Rheinland-Pfalz hat ein eigenes Funkrufnamenverzeichnis, Bayern eine eigene Richtlinie, Nordrhein-Westfalen ein eigenes Betriebskonzept. Sie ähneln sich, aber sie sind nicht gleich.
Deshalb führt die Frage „Wie lautet der Funkrufname für ein LF 20?“ ins Leere. Die richtige Frage lautet: „Wie lautet er bei uns?“ — und die beantwortet nur die Regelung der eigenen Gebietskörperschaft.
Was dagegen weitgehend übereinstimmt, ist zweierlei: die Organisationskennwörter und die Grundlogik, nach der ein Rufname zusammengesetzt wird. Beides lohnt sich zu kennen, weil es überall trägt.
Die Organisationskennwörter
Das erste Wort eines Funkrufnamens nennt die Organisation. Diese Kennwörter gehen auf eine Empfehlung des Bundes an die Länder von 1979 zurück und sind deshalb im Kern überall gleich.
| Kennwort | Organisation |
|---|---|
| Florian | Feuerwehr |
| Rotkreuz | Deutsches Rotes Kreuz (DRK) |
| Sama | Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) |
| Akkon | Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) |
| Johannes | Malteser Hilfsdienst (MHD) |
| Pelikan | Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) |
| Heros | Technisches Hilfswerk (THW) |
| Kater | Katastrophenschutz, Führungs- und Leitungsdienst |
| Rettung | sonstige und private Rettungsdienstunternehmen |
Nicht in dieser Reihe steht Christoph: So heißen die Rettungshubschrauber, durchnummeriert über das ganze Bundesgebiet — „Christoph 5“, „Christoph 77“. Sie sind damit die einzigen BOS-Funkrufnamen, die bundesweit eindeutig sind, weil sie nicht an eine Gebietskörperschaft gebunden sind.
Wie ein Funkrufname aufgebaut ist
Die Grundlogik ist überall dieselbe: vom Allgemeinen zum Besonderen. Organisation, dann Ort, dann Fahrzeug, dann laufende Nummer. Am Beispiel von Rheinland-Pfalz besteht der zugehörige Datensatz aus acht Stellen:
- BOS-Kennung — die Organisation, also Florian, Rotkreuz, Heros und so weiter.
- Landeskennung — das Bundesland. Für Rheinland-Pfalz ist das im FMS-Telegramm das Zeichen
A. - Ortskennung (zwei Stellen) — die Gebietskörperschaft, also Landkreis oder kreisfreie Stadt.
- Standortkennung — der Standort innerhalb der Gebietskörperschaft, etwa die einzelne Wache oder Einheit.
- Kennzahl (zwei Stellen) — was für ein Fahrzeug oder welche Funktion. Hier sitzt die größte Abweichung zwischen den Ländern.
- Laufende Nummer — das wievielte Fahrzeug dieser Art am Standort.
Gesprochen wird daraus zum Beispiel „Florian Wörrstadt 08/41-1“: Feuerwehr, Verbandsgemeinde Wörrstadt, Standort 08, Fahrzeugkennzahl 41, erstes Fahrzeug dieser Art.
Oder bei einer Hilfsorganisation „Rotkreuz Mainz 12/61-1“: DRK, Rettungsdienstbereich Mainz, zweite Rettungswache, Gerätewagen Sanität, erstes Fahrzeug. Und bei einer Führungsfunktion „Kater Mainz-Bingen 5-1“ — der Leitende Notarzt des Kreises.
Man sieht daran, was der Rufname leistet: Er sagt nicht nur, wer spricht, sondern auch, woher und was für ein Mittel dahintersteht. Für eine Leitstelle ist das die entscheidende Information — sie kann aus dem Rufnamen allein erkennen, ob ein Löschfahrzeug oder ein Rüstwagen meldet.
Wenn der Trupp ein eigenes Gerät hat
Für die Handfunkgeräte auf einem Fahrzeug wird der Rufname des Fahrzeugs um eine Ziffer erweitert. In Rheinland-Pfalz sieht das so aus:
| Rufname | Funktion |
|---|---|
| Florian Landau 01/46-1.1 | taktischer Führer |
| Florian Landau 01/46-1.2 | Fahrer / Maschinist |
| Florian Landau 01/46-1.3 | 1. Trupp |
| Florian Landau 01/46-1.4 | 2. Trupp |
Damit ist jeder Trupp im Einsatzstellenfunk einzeln ansprechbar, ohne dass jemand Namen rufen muss. Für den Einsatzstellenfunk lassen die Regelungen daneben ausdrücklich zu, eine eindeutige Bezeichnung der Einheit zu verwenden — „Angriffstrupp“ statt einer Ziffernkette, wenn das im konkreten Einsatz klarer ist.
Die OPTA: hier ist es bundesweit einheitlich
Mit dem Digitalfunk kam etwas hinzu, das genau die Lücke schließt, die der gesprochene Rufname offenlässt: die Operativ-Taktische Adresse, kurz OPTA.
Die OPTA besteht aus 24 alphanumerischen Stellen, ist auf der BOS-Sicherheitskarte gespeichert und wird bei jeder Sprechfunkverbindung automatisch mit übertragen. Ihre Struktur gibt die BDBOS im Nutzungs- und Betriebshandbuch vor — und zwar für ganz Deutschland gleich:
| Stellen | Inhalt |
|---|---|
| 1–2 | Kennung für Bund oder Land |
| 3–5 | Behörde oder Organisation |
| 6–8 | regionale Zuordnung |
| 9–24 | landesspezifische Daten |
Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr Sinsheim trägt damit beispielsweise die OPTA BW FW HD# SNH1 LF16/122 — Baden-Württemberg, Feuerwehr, Rhein-Neckar-Kreis, Sinsheim, LF 16/12 der Abteilung 1.
Das Entscheidende daran: Die ersten acht Stellen sind bundesweit nach demselben Muster belegt. Eine Leitstelle in Niedersachsen kann aus der OPTA eines bayerischen Fahrzeugs ablesen, aus welchem Land, welcher Organisation und welcher Region es kommt — auch wenn sie den gesprochenen Rufnamen nicht deuten könnte. Bei überörtlicher Hilfe ist das der Unterschied zwischen Zuordnen und Nachfragen.
Was davon auf die Lagekarte gehört
Genau eine Sache, und sie wird regelmäßig vergessen: der Funkrufname gehört an jedes Führungszeichen.
Ein Abschnittsleiter ohne Rufnamen auf der Karte ist eine Person ohne Anschluss. Wer etwas von ihm will, fragt die Einsatzleitung — und die wird dadurch zum Engpass. Steht der Rufname dabei, läuft die Rückfrage direkt. Bei mehreren Abschnitten und Kräften aus verschiedenen Landkreisen ist das keine Kleinigkeit, sondern der Unterschied zwischen einer funktionierenden und einer verstopften Führungsorganisation.
Dasselbe gilt für Führungsstellen und Einrichtungen: Zum Bereitstellungsraum gehört, wer ihn führt und wie er erreichbar ist. Zum Behandlungsplatz auch. Mehr dazu steht im Beitrag Führung und Führungsstellen.
Bei überörtlichen Lagen empfiehlt sich ein zusätzlicher Vermerk in der Legende: aus welchem Landkreis die auswärtigen Kräfte kommen. Damit lässt sich ein fremder Rufname wenigstens einordnen, auch wenn seine Kennzahlen nach einem anderen Schlüssel gebildet sind.
Quellen und weiterführende Informationen
- Rheinland-Pfalz: BOS-Funkrufnamenverzeichnis für den Sprechfunkdienst der nichtpolizeilichen BOS, Stand Februar 2017
- Bundesanstalt für den Digitalfunk der BOS (BDBOS): Nutzungs- und Betriebshandbuch, Richtlinie für die Operativ-Taktische Adresse (OPTA)
- Bayerisches Staatsministerium des Innern: Richtlinie für Funkrufnamen und operativ-taktische Adressen
- Feuerwehr-Dienstvorschrift 810: Sprechfunkdienst