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Führung und Führungsstellen

Jeder Einsatz braucht Führung. Damit auf der Lagekarte klar wird, wer welche Einheit oder welchen Bereich leitet, gibt es eigene Zeichen für Führungskräfte und Führungseinrichtungen. Sie beantworten die Frage, an wen man sich wenden muss.

Sobald mehrere Einheiten zusammenarbeiten, muss die Verantwortung eindeutig geregelt sein. Führung ordnet die Kräfte, verteilt Aufträge und behält das Ganze im Blick. Auf der Lagekarte sorgen die Führungszeichen dafür, dass jede Ebene erkennbar bleibt, von der einzelnen Gruppe bis zur Gesamteinsatzleitung. Bei organisationsübergreifenden Lagen ist das eine der wichtigsten Informationen überhaupt, weil sonst unklar bleibt, wer wem gegenüber weisungsbefugt ist.

Zeichen für Führungskräfte

Zu jeder Einheit gehört eine Führungskraft mit einem eigenen Zeichen. Die Reihe zeigt die Führungsfunktionen von unten nach oben.

Taktisches Zeichen Truppführer
Truppführer
Taktisches Zeichen Gruppenführer
Gruppenführer
Taktisches Zeichen Zugführer
Zugführer
Taktisches Zeichen Verbandführer
Verbandführer
Taktisches Zeichen Einsatzabschnittsleiter
Einsatzabschnittsleiter
Taktisches Zeichen Einsatzleiter
Einsatzleiter

Auch hier gilt das Baukastenprinzip. Das Zeichen für einen Gruppenführer lässt sich mit dem Symbol einer Fachaufgabe kombinieren, sodass ein Gruppenführer ABC-Schutz, Messen oder technische Hilfe entsteht. Wer das Grundmuster kennt, liest diese Kombinationen ohne sie einzeln gelernt zu haben.

Taktisches Zeichen Gruppenführer ABC-Schutz
GF ABC-Schutz
Taktisches Zeichen Gruppenführer Messen
GF Messen
Taktisches Zeichen Gruppenführer technische Hilfeleistung
GF TH
Taktisches Zeichen Gruppenführer Dekontamination
GF Dekon

Die Führungsebenen

Die Führung ist in Ebenen gegliedert, die sich nach der Größe der Lage richten. Bei einem kleinen Einsatz genügt eine Führungskraft, bei einer großen Lage entsteht ein mehrstufiger Aufbau.

Bei sehr großen Lagen kommt darunter noch die Ebene des Untereinsatzabschnitts hinzu. Auch dafür gibt es eigene Zeichen, sowohl für die Person als auch für die Stelle.

Der Einsatzabschnitt als Ordnungsmittel

Das Zeichen für den Einsatzabschnitt gehört zu den wichtigsten auf jeder größeren Lagekarte. Es markiert keinen Gegenstand und keine Kraft, sondern eine Zuständigkeitsgrenze.

Abschnitte werden meist nach Raum gebildet, etwa Nord und Süd, oder nach Aufgabe, etwa Brandbekämpfung und Menschenrettung. Beides hat seine Berechtigung. Entscheidend ist, dass die Einteilung auf der Karte steht und für alle sichtbar ist. Ein mündlich vereinbarter Abschnitt, der nirgends eingezeichnet ist, führt spätestens beim Schichtwechsel zu Missverständnissen.

Die Benennung folgt dabei einer einfachen Regel, die Verwechslungen vorbeugt: Räumlich gebildete Abschnitte bekommen Himmelsrichtungen oder Ortsbezeichnungen, nach Aufgabe gebildete bekommen den Aufgabennamen. „Abschnitt Nord" und „Abschnitt Menschenrettung" lassen sich im Funkverkehr nicht verwechseln. „Abschnitt 1" und „Abschnitt 2" dagegen schon, sobald jemand die Zuordnung nicht mitbekommen hat.

Jeder Abschnitt braucht drei Angaben auf der Karte: seine Grenze, seinen Namen und seine Leitung mit Funkrufnamen. Fehlt die Grenze, streiten sich zwei Abschnittsleitungen irgendwann über dieselbe Stelle. Fehlt der Funkrufname, läuft jede Rückfrage über die Einsatzleitung, die dadurch zum Engpass wird. Wie Funkrufnamen aufgebaut sind und warum sie je Bundesland verschieden ausfallen, steht im Beitrag Funkrufnamen der BOS.

Eine Faustregel für die Zahl der Abschnitte ergibt sich aus der Führungsspanne: Drei bis fünf unterstellte Einheiten oder Abschnitte kann eine Führungskraft überblicken, darüber wird es unsicher. Werden es mehr, wird eine Zwischenebene eingezogen — genau dafür gibt es den Untereinsatzabschnitt.

Zeichen für Führungseinrichtungen

Neben den Personen bekommen auch die Orte der Führung ein Zeichen. In vielen Darstellungen sind Führungseinrichtungen gelb gehalten, sodass sie sich auf der Karte klar abheben. Damit ist erkennbar, an welcher Stelle die Fäden zusammenlaufen.

Taktisches Zeichen Einsatzleitung
Einsatzleitung

Der Ort, an dem die Gesamtverantwortung liegt. Meist der ELW, bei langen Lagen auch ein Raum in einem festen Gebäude.

Taktisches Zeichen Führungsstelle
Führungsstelle

Allgemeines Zeichen für einen Arbeitsplatz der Führung, unabhängig von der Ebene.

Taktisches Zeichen technische Einsatzleitung
Technische Einsatzleitung (TEL)

Unterstützt die Einsatzleitung bei größeren Lagen mit einem Stab, meist in einer festen Örtlichkeit.

Taktisches Zeichen Meldekopf
Meldekopf

Anlaufstelle, an der sich eintreffende Kräfte melden und ihren Auftrag erhalten. Häufig mit dem Bereitstellungsraum kombiniert.

Taktisches Zeichen ortsfeste Leitstelle
Leitstelle

Die ortsfeste Leitstelle, die Einsätze annimmt und Kräfte disponiert. Auf Flächenlagekarten ein wichtiger Bezugspunkt.

Taktisches Zeichen Presse- und Medienarbeit
Presse- und Medienarbeit

Stelle für die Öffentlichkeitsarbeit. Sie gehört bewusst nicht in den unmittelbaren Einsatzbereich, damit der Betrieb nicht gestört wird.

Logistik und Versorgung

Bei Lagen, die über wenige Stunden hinausgehen, wird die Versorgung der eigenen Kräfte zur Führungsaufgabe. Auch dafür gibt es Zeichen, die auf der Karte gern vergessen werden, obwohl sie über die Ausdauer eines Einsatzes entscheiden.

Der Unterschied zwischen Logistikstelle und Logistik-Stützpunkt ist einer der Reichweite. Die Logistikstelle versorgt eine Einsatzstelle und ist Teil von ihr. Der Stützpunkt versorgt mehrere Einsatzstellen oder einen ganzen Bereich und liegt in der Regel außerhalb, oft an einem Ort mit fester Infrastruktur. Auf Flächenlagekarten ist er ein eigener Knoten, an dem Nachschub gebündelt wird.

Die Versorgungsstellen für Verpflegung und Material werden getrennt geführt, weil sie unterschiedlich funktionieren. Material wird abgeholt, Verpflegung wird gebracht. Wer beides an einem Ort zusammenlegt, erzeugt Fahrzeugverkehr genau dort, wo Kräfte Pause machen sollen.

Die Lotsenstelle ist das Zeichen, das bei ortsfremden Kräften den Unterschied macht. Sie steht an der Stelle, an der ortskundige Kräfte anrückende Einheiten übernehmen und zum Bereitstellungsraum führen. Bei überörtlichen Hilfeleistungen und bei Nacht ist sie regelmäßig der Grund, warum eine Bereitstellung überhaupt funktioniert — und sie fehlt auf Lagekarten häufiger als jedes andere Führungszeichen.

Eine Planungsgröße, die selten ausgesprochen wird: Ab etwa vier Stunden Einsatzdauer wird Verpflegung notwendig, ab etwa acht Stunden eine Ablösung. Wer eine Lage führt, von der absehbar ist, dass sie diese Marken überschreitet, trägt die Versorgungsstellen ein, bevor sie gebraucht werden.

Besondere Funktionen

Einige Führungsfunktionen kommen nur bei bestimmten Lagen vor, sind dann aber zentral. Der Leitende Notarzt und der Organisatorische Leiter Rettungsdienst bilden zusammen die Führung des Rettungsdienstes beim MANV. Fachberater werden hinzugezogen, wenn Fachwissen gebraucht wird, das die Einsatzleitung selbst nicht hat.

Die Aufgabenteilung zwischen LNA und OrgL ist dabei klar geschnitten und für die Kartenführung wichtig. Der Leitende Notarzt entscheidet medizinisch: Er sichtet, legt Behandlungsprioritäten fest und bestimmt, wer in welcher Reihenfolge in welche Klinik transportiert wird. Der Organisatorische Leiter setzt das um: Er ordnet die Rettungsmittel, führt den Behandlungsplatz und hält die Verbindung zur Leitstelle. Beide stehen auf der Karte an derselben Stelle, haben aber verschiedene Aufgaben.

Fachberater sind der Weg, fehlendes Fachwissen in die Führung zu holen — Chemie, Statik, Energieversorgung, Bahnbetrieb, Tierhaltung. Auf der Karte wird beim Fachberaterzeichen das Fachgebiet dazugeschrieben, sonst sagt es nur, dass jemand berät. Wichtig ist dabei die Abgrenzung: Ein Fachberater berät, er führt nicht. Die Entscheidung und die Verantwortung bleiben bei der Einsatzleitung.

Die Katastrophenschutzleitung steht auf einer anderen Ebene als alle übrigen Zeichen dieser Seite. Sie wird tätig, wenn der Katastrophenfall festgestellt ist, sitzt in der Regel beim Landkreis oder der kreisfreien Stadt und führt nicht die Einsatzstelle, sondern die Gesamtlage über mehrere Einsatzstellen hinweg. Auf einer Einsatzstellenkarte erscheint sie deshalb höchstens als Bezugspunkt.

Wer führt wen, wenn mehrere Organisationen da sind?

Das ist die Frage, die sich aus einer Lagekarte beantworten lassen muss und die in der Praxis am häufigsten für Reibung sorgt. Bei einem Einsatz mit Feuerwehr, Rettungsdienst, THW und Polizei stehen vier Organisationen nebeneinander, die je eigenen Vorschriften und eigenen Dienstwegen folgen.

Das Grundprinzip lautet: Die Einsatzleitung führt alle Kräfte an der Einsatzstelle, unabhängig von ihrer Herkunft. Wer diese Rolle innehat, richtet sich nach dem Landesrecht und nach der Art der Lage — bei einem Brand die Feuerwehr, bei einer polizeilichen Lage die Polizei. Die Zuordnung steht nicht im Zeichensatz, sondern im jeweiligen Landesgesetz, und sie unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland.

Auf der Karte wird das über die Abschnittsbildung gelöst. Ein Einsatzabschnitt umfasst alle Kräfte in seinem Bereich, und die Abschnittsleitung führt sie alle. Deshalb ist beim Abschnittszeichen wichtiger, wer die Leitung hat, als aus welcher Organisation die Kräfte darin stammen. Eine THW-Fachgruppe im Abschnitt Nord untersteht der Leitung des Abschnitts Nord, auch wenn diese von der Feuerwehr gestellt wird.

Zwei Ausnahmen gehören dazu. Die medizinische Entscheidung bleibt beim Leitenden Notarzt, unabhängig von der Abschnittsstruktur. Und die Polizei behält ihre originären Aufgaben — Absperrung im öffentlichen Raum, Strafverfolgung, Verkehrslenkung — in eigener Zuständigkeit. Auf der Karte erscheinen diese Bereiche deshalb oft als eigener Abschnitt mit polizeilicher Leitung.

Warum Führungszeichen gelb sind

In den meisten Darstellungen sind Führungseinrichtungen gelb hinterlegt. Das ist keine Willkür, sondern Teil einer Farbsystematik, die dem Auge Arbeit abnimmt: Auf einer Karte mit hundert Zeichen findet man die gelben in einer Sekunde.

Der praktische Nutzen zeigt sich beim Schichtwechsel und bei nachrückenden Kräften. Die erste Frage lautet fast immer: Wo muss ich mich melden? Ein gelbes Zeichen beantwortet sie schneller als jede Beschriftung. Aus demselben Grund lohnt es sich, Führungseinrichtungen auch dann einzutragen, wenn sie offensichtlich erscheinen — für den, der neu dazukommt, ist nichts offensichtlich.

Wie die Farben insgesamt vergeben sind und was Form und Umrandung zusätzlich aussagen, steht im Beitrag Wie taktische Zeichen aufgebaut sind.

Zusammenhang: Die Größe einer Einheit und ihre Führung gehören eng zusammen. Wie die Gliederungsstufen von Trupp bis Verband aufgebaut sind, steht im Beitrag Taktische Einheiten. Alle Führungszeichen im Überblick findest du auf der Seite Führung und Örtlichkeiten.