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🔥 Szenario

Taktische Zeichen bei einem Gebäudebrand

Ein Gebäudebrand eignet sich gut, um eine Lagekarte Schritt für Schritt zu verstehen. Hier siehst du die fertige Karte, und darunter wird gezeigt, in welcher Reihenfolge sie entstanden ist und was jedes Zeichen bedeutet.

Die Lage: In einem dreigeschossigen Wohnhaus brennt es im zweiten Obergeschoss. Eine Bewohnerin wird vermisst, das direkt angebaute Nachbargebäude ist gefährdet. Alarmiert sind ein Löschzug und der Rettungsdienst.

Schematische Lagekarte eines Gebäudebrands mit taktischen Zeichen
Schematische Darstellung. Das Gebäude in der Mitte brennt, die Kräfte sind darum herum angeordnet.

So entsteht die Karte

Eine Lagekarte wird nie in einem Zug gezeichnet. Sie wächst mit dem Einsatz, und genau darin liegt ihr Wert. Die folgenden vier Phasen zeigen, was zu welchem Zeitpunkt eingetragen wird.

Phase 1: die ersten Minuten

Beim Eintreffen steht zunächst nur fest, wo es brennt und wie stark. Eingetragen werden das Objekt, die Schadensart und der Standort der Einsatzleitung. Mehr braucht es zu diesem Zeitpunkt nicht, und mehr weiß man auch nicht. Wer jetzt schon Details einzeichnet, die auf Vermutungen beruhen, schafft sich später Arbeit.

Phase 2: die Erkundung wird eingearbeitet

Die Rückmeldung des Angriffstrupps und die Aussage von Anwohnern ergeben ein genaueres Bild. Jetzt kommen die vermisste Person und die Brandgefahr für das Nachbargebäude dazu. Ab diesem Moment zeigt die Karte nicht mehr nur einen Schaden, sondern eine Aufgabe.

Phase 3: Kräfte und Maßnahmen

Nun wird eingetragen, wer wo arbeitet. Das LF 20 am Löschangriff, die Drehleiter an der Gebäudeseite, die sie erreicht, das Maßnahmenzeichen für die Menschenrettung an der Stelle, an der gesucht wird. Dazu kommen die Wasserentnahmestelle und der Bereitstellungsraum.

Phase 4: Fortschreiben

Wird die vermisste Person gefunden, ändert sich ihr Zeichen von vermisst auf gerettet. Geht der Vollbrand in einen entwickelten Brand über, wird das Brandzeichen angepasst. Diese laufende Pflege ist der Teil, der im Einsatz am häufigsten unterbleibt und der den größten Unterschied macht.

Jedes Zeichen erklärt

Zeichen Einsatzleitung
Einsatzleitung

Von hier wird der Einsatz geführt. Der Standort liegt bewusst mit Sicht auf die Einsatzstelle, aber außerhalb des Gefahrenbereichs.

Zeichen Bereitstellungsraum
Bereitstellungsraum

Etwas abseits sammeln sich nachrückende Kräfte, bis sie einen Auftrag bekommen. Ohne diesen Punkt verstopfen die Zufahrten.

Zeichen Vollbrand
Vollbrand

Das Ausmaß des Feuers. Beim Fortschreiben der Karte wird dieses Zeichen ausgetauscht, sobald sich die Lage ändert.

Zeichen vermisste Person
Vermisste Person

Eine Bewohnerin wird noch vermisst. Das Zeichen steht dort, wo sie zuletzt vermutet wird, damit die Suche einen klaren Bezugspunkt hat.

Zeichen Retten
Retten

An dieser Stelle läuft die Menschenrettung. Sie hat Vorrang vor allen anderen Maßnahmen.

Zeichen Drehleiter
Drehleiter

Erschließt die oberen Geschosse für Rettung und Löschangriff. Die Position auf der Karte muss exakt stimmen, weil sie festlegt, welche Gebäudeseite erreichbar ist.

Zeichen LF 20
LF 20

Das Löschgruppenfahrzeug führt den Löschangriff und stellt die Wasserversorgung her.

Zeichen Löschwasserbrunnen
Löschwasserbrunnen

Die Entnahmestelle für das Löschwasser. Ihre Lage entscheidet über die Schlauchstrecke und damit über die verfügbare Wassermenge.

Zeichen akute Gefahr
Akute Gefahr am Nachbargebäude

Das Feuer könnte übergreifen. Das Zeichen begründet, warum ein Rohr auf das Nachbarhaus gerichtet wird, obwohl dort noch nichts brennt.

Was diese Karte einer ablösenden Führungskraft sagt

Der eigentliche Test für eine Lagekarte ist die Übergabe. Wer die obige Karte zum ersten Mal sieht, kann daraus in etwa zwanzig Sekunden ablesen, dass ein Gebäude in Vollbrand steht, dass eine Person vermisst wird und die Suche läuft, dass die Wasserversorgung über einen Brunnen sichergestellt ist und dass eine Riegelstellung zum Nachbargebäude erforderlich ist.

Ohne Karte müsste all das mündlich übergeben werden, meist unter Zeitdruck und mit dem Risiko, einen Punkt zu vergessen. Das ist der Grund, warum sich der Aufwand des Zeichnens lohnt, sobald ein Einsatz länger als eine halbe Stunde dauert.

Wie sich diese Karte im Verlauf ändert

Eine Lagekarte ist kein Bild, sondern ein Stand. Dieselbe Einsatzstelle sieht nach zehn, dreißig und sechzig Minuten verschieden aus, und genau diese Veränderung ist die eigentliche Leistung der Kartenführung.

Nach fünf Minuten steht wenig auf der Karte: das brennende Objekt, das erste Fahrzeug, die Meldung über eine vermisste Person. Vieles ist noch Annahme. Das Brandzeichen steht auf „fortentwickelter Brand", weil der Vollbrand noch nicht bestätigt ist, und die vermisste Person ist mit einem Fragezeichen versehen, weil die Angabe von einem Nachbarn stammt.

Nach fünfzehn Minuten ist die Erkundung abgeschlossen. Das Brandzeichen wird auf Vollbrand geändert, die Drehleiter bekommt ihren Standort, die Wasserversorgung ist aufgebaut und wird eingezeichnet. Jetzt kommt die akute Gefahr am Nachbargebäude dazu — eine Entscheidung, die aus der Erkundung folgt und ohne sie willkürlich wäre.

Nach dreißig Minuten ändert sich der wichtigste Eintrag: Die vermisste Person wird gefunden und gerettet. Auf der Karte wird das Vermisstenzeichen gestrichen und ein Zeichen für eine gerettete Person gesetzt, dazu die Uhrzeit. Ab diesem Moment ändert sich die gesamte Einsatztaktik — der Innenangriff kann zurückgenommen werden, das Risiko darf gesenkt werden. Eine Karte, auf der dieser Wechsel nicht nachvollzogen wird, führt die nächste Führungskraft in eine Menschenrettung, die längst beendet ist.

Nach einer Stunde steht auf der Karte vor allem, was abgeschlossen ist. Die Maßnahmen werden nacheinander gestrichen, das Brandzeichen wird zurückgestuft, und es kommen Einträge hinzu, die vorher keine Rolle spielten: die Brandsicherheitswache, die Übergabe an die Polizei, der Abbau der Wasserversorgung.

Wer diesen Verlauf einmal bewusst mitgeführt hat, versteht, warum die Uhrzeit an jedem Zeichen steht. Ohne sie ist die Karte am Ende des Einsatzes ein Durcheinander aus Einträgen, die zu verschiedenen Zeitpunkten gegolten haben.

Warum die Riegelstellung auf der Karte steht

Das Rohr auf das Nachbargebäude ist der Eintrag, der Außenstehende am meisten irritiert. Dort brennt nichts, und trotzdem wird Wasser gebunden und eine Kraft abgestellt.

Die Riegelstellung verhindert die Ausbreitung. Sie ist eine der wenigen Maßnahmen, deren Erfolg man nicht sieht — wenn sie wirkt, passiert nichts. Genau deshalb gehört sie auf die Karte: Sie begründet einen Kräfteeinsatz, der sonst wie eine Fehlverteilung aussieht, und sie verhindert, dass eine nachrückende Führungskraft dieses Rohr für den Löschangriff abzieht.

Auf der Karte besteht die Riegelstellung aus zwei Zeichen, die zusammengehören: der akuten Gefahr am bedrohten Objekt und der Maßnahme Brandbekämpfung an der Stelle, an der das Rohr steht. Erst beide zusammen ergeben die Begründung. Steht nur die Maßnahme dort, fehlt der Grund. Steht nur die Gefahr dort, fehlt die Antwort darauf.

Was auf dieser Karte fehlt

Bewusst nicht eingetragen sind Details, die die Führung nicht braucht. Die genaue Zahl der Atemschutzgeräteträger, die Uhrzeit jeder einzelnen Meldung und die Namen der Beteiligten gehören ins Einsatztagebuch und nicht auf die Karte. Eine überladene Lagekarte verliert genau die Eigenschaft, die sie nützlich macht.

Übrigens: Wer die Zeichen sicher kennt, baut eine solche Lage in wenigen Minuten sauber auf. Genau das kannst du im Trainer üben. Die häufigsten Fehler dabei stehen im Beitrag Fehlerteufel Lagekarte. Wie ein Gebäude eindeutig benannt wird, steht unter Gebäudekennzeichnung.