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🌍 VergleichTaktische Zeichen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Die drei deutschsprachigen Länder verwenden taktische Zeichen, die sich ähneln und trotzdem nicht deckungsgleich sind. Wer eine Lagekarte aus dem Nachbarland vor sich hat, erkennt vieles wieder und stolpert über einzelne Symbole. Dieser Vergleich stellt die Sätze nebeneinander.
Der Anlass für diesen Beitrag ist praktischer Natur. Im Grenzgebiet ist Nachbarschaftshilfe Alltag, bei Katastrophenlagen rücken Einheiten über die Grenze aus, und in der Ausbildung tauchen regelmäßig Unterlagen aus einem anderen Land auf. Spätestens dann ist die Frage relevant, ob ein bekannt aussehendes Symbol wirklich dasselbe bedeutet.
Warum die Sätze überhaupt auseinanderlaufen
Alle drei Systeme beruhen auf demselben Grundgedanken. Eine Grundform sagt, um welche Art von Sache es geht, ein Symbol im Inneren nennt die Fachaufgabe, und die Farbe ordnet zu. Wer die Systematik aus dem Beitrag Aufbau und Grundformen kennt, kommt auch mit einer österreichischen oder schweizerischen Karte grundsätzlich zurecht.
Die Unterschiede entstehen an drei Stellen. Erstens durch die Organisation der Gefahrenabwehr, die in jedem Land anders aufgebaut ist. Zweitens durch die Geografie, denn ein Land mit Alpen braucht Zeichen, die im norddeutschen Flachland nie gebraucht werden. Und drittens durch die Historie, weil sich die Regelwerke unabhängig voneinander weiterentwickelt haben.
Betroffene Personen
Hier ist die Übereinstimmung am größten, was Sinn ergibt, weil die abzubildenden Zustände überall dieselben sind. Die Zeichen unterscheiden sich in der Form, sind aber im direkten Vergleich gut zuzuordnen.




Ein Detail lohnt den zweiten Blick. Der schweizerische Satz kennt ein eigenes Zeichen für obdachlose Personen, also für Betroffene, die durch das Ereignis ihre Unterkunft verloren haben. In Deutschland und Österreich fällt diese Gruppe unter die Betreuung und bekommt kein eigenes Symbol.

Gefahren
Bei den Gefahrenzeichen wird es interessanter. Die großen Kategorien gibt es überall, die Feinheiten unterscheiden sich deutlich.






Zwei Beobachtungen aus dieser Gegenüberstellung.
Deutschland hat kein eigenes Gaszeichen. Bei einem Gasaustritt behilft man sich mit dem Zeichen für gefährliche Stoffe oder dem allgemeinen Gefahrenzeichen samt Beschriftung. Österreich und die Schweiz führen dafür ein eigenes Symbol. Das ist einer der Fälle, in denen der Nachbar praktischer aufgestellt ist.
Die Schweizer Wassergefahr meint etwas anderes. Während das deutsche und das österreichische Zeichen auf die Gefahr durch Wasser für Menschen und Objekte zielen, geht es beim schweizerischen um die Gefahr für Oberflächen- und Grundwasser, also um den Gewässerschutz. Gleiche Kategorie, anderer Blickwinkel. Wer das übersieht, liest eine Karte falsch.
Nur in Österreich
Der österreichische Satz enthält Zeichen für Lagen, die es in Deutschland so nicht gibt oder die dort anders behandelt werden.





Die alpinen Zeichen erklären sich von selbst. Bemerkenswerter sind Verrauchung und Brandgefahr. In Deutschland wird beides über das allgemeine Gefahrenzeichen mit Zusatz gelöst, in Österreich hat es ein eigenes Symbol. Gerade die Verrauchung ist im Einsatz eine so häufige und folgenreiche Information, dass ein eigenes Zeichen dafür durchaus einleuchtet.
Geräte als eigene Zeichenfamilie
Eine österreichische Besonderheit ist eine eigene Gruppe für Geräte. Auf der Lagekarte lässt sich damit festhalten, welches Einsatzmittel an welcher Stelle im Betrieb ist, unabhängig davon, welches Fahrzeug es gebracht hat.






Nur in der Schweiz
Der schweizerische Satz hat zwei Eigenheiten, die es in dieser Form weder in Deutschland noch in Österreich gibt. Beide sind aus deutscher Sicht einen Blick wert.
Die Ausbreitungsrichtung als System
Für Feuer, gefährliche Stoffe und Wasser gibt es jeweils vier Varianten. Das Grundzeichen, dazu die horizontale Ausbreitung, die vertikale Ausbreitung und die begrenzte Ausbreitung. Damit wird eine Information, die auf einer deutschen Karte allenfalls als Notiz danebensteht, zum Bestandteil des Zeichens selbst.
siehe Varianten




Der praktische Nutzen liegt auf der Hand. Ein Brand, der sich horizontal ausbreitet, stellt eine andere Aufgabe als einer, der sich vertikal durch ein Gebäude arbeitet. Im ersten Fall geht es um die Riegelstellung zu den Nachbarbereichen, im zweiten um die Geschosse darüber. Und die begrenzte Ausbreitung ist eine Entwarnung, die auf einer deutschen Karte leicht untergeht.
Gebäudetechnik auf der Lageskizze
Die zweite Besonderheit betrifft Objektpläne. Der schweizerische Satz enthält Zeichen für bauliche Anlagen, die im Einsatz eine Rolle spielen. Damit lässt sich in einen Gebäudegrundriss eintragen, wo die Sprinklerzentrale sitzt, wo der Rauch- und Wärmeabzug ausgelöst wird und wo der Aufzug fährt.






In Deutschland übernehmen diese Aufgabe die Feuerwehrpläne nach eigener Norm, die mit anderen Symbolen arbeiten. Der schweizerische Weg hat den Vorteil, dass Objektplan und Lagekarte dieselbe Zeichensprache verwenden.
Führungsfunktionen mit anderem Zuschnitt
Auch bei den Funktionen zeigt sich die unterschiedliche Organisation. Die Schweizer Feuerwehr kennt den Offizier und den Abschnittsoffizier als eigene Zeichen, dazu den Beobachtungsposten als Führungshilfsmittel.




Der Beobachtungsposten ist ein Zeichen, das im deutschen Satz fehlt und das man bei Vegetationsbränden und Flächenlagen gut gebrauchen könnte.
Der Brandverlauf im Vergleich
Beide Länder bilden den Verlauf eines Brandes ab, allerdings mit unterschiedlicher Abstufung.
über Ausbreitung

kein eigenes Zeichen
kein eigenes Zeichen
kein eigenes Zeichen
kein eigenes ZeichenDeutschland ist bei der Brandstufe am feinsten aufgestellt, mit vier klar abgegrenzten Stufen von Entstehungsbrand bis Flächenbrand. Die Schweiz löst dieselbe Frage über die Ausbreitungsrichtung statt über die Intensität. Zwei Wege, dieselbe Absicht. Mehr zur deutschen Abstufung steht im Beitrag Gefahren und Schadensarten.
Was das für den grenzüberschreitenden Einsatz bedeutet
Aus dem Vergleich lassen sich vier praktische Regeln ableiten.
- Die Grundlogik trägt. Form, Farbe und inneres Symbol funktionieren in allen drei Ländern nach demselben Muster. Wer die Systematik beherrscht, ist auch mit einer fremden Karte nicht verloren.
- Die Legende gehört auf die Karte. Bei gemischten Lagen ist eine kurze Legende am Rand kein Formalismus, sondern die Voraussetzung dafür, dass alle dasselbe lesen.
- Fehlende Zeichen nicht raten. Wenn ein Symbol nicht eindeutig ist, lieber einmal nachfragen als eine Annahme treffen. Das Schweizer Wasserzeichen ist das beste Beispiel dafür, wie sich ein bekannt aussehendes Symbol anders liest.
- Im Zweifel beschriften. Ein beschriftetes Zeichen versteht jeder, unabhängig davon, aus welchem Land der Zeichensatz stammt.
Wohin die Entwicklung geht
Für Deutschland ist erklärtes Ziel, die Zeichen weiter zu vereinheitlichen, und zwar ausdrücklich auch mit Blick auf die Nachbarländer. Parallel wird eine Angleichung an die militärische Zentralvorschrift geprüft, damit zivile und militärische Lagebilder zusammenpassen. Beides zusammen dürfte dazu führen, dass sich die drei Sätze in den kommenden Jahren eher annähern als auseinanderentwickeln. Die Einzelheiten dazu stehen im Beitrag DV 102: Geschichte, Rechtsgrundlage und Grenzen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Taktische Zeichen im Bevölkerungsschutz, bbk.bund.de
- Österreichischer Bundesfeuerwehrverband, bundesfeuerwehrverband.at
- Schweizerischer Feuerwehrverband, swissfire.ch