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Militärische Symbole: wo sie mit den zivilen Zeichen kollidieren

Rot bedeutet im Bevölkerungsschutz Feuerwehr. Im militärischen System bedeutet Rot Feind. Beide Systeme sind in sich schlüssig — und genau deshalb ist ihre Angleichung schwieriger, als es klingt. Sie ist derzeit der Grund, warum die überarbeiteten taktischen Zeichen auf Eis liegen.

Warum das plötzlich eine Rolle spielt

Die überarbeitete Fassung der taktischen Zeichen war ab März 2024 zur vorläufigen Anwendung empfohlen. Ein Jahr später hob der zuständige Ausschuss diesen Beschluss wieder auf — unter anderem, um eine weitergehende Angleichung an die Zentralvorschrift der Bundeswehr zu prüfen. Hintergrund ist die sicherheitspolitische Lage: Zivile und militärische Kräfte sollen ihre Lagebilder zusammenführen können.

Für Einsatzkräfte im Bevölkerungsschutz heißt das nicht, dass sie jetzt militärische Symbole lernen müssten. Es heißt aber, dass es sich lohnt zu verstehen, warum die beiden Systeme nicht einfach zusammenpassen. Den vollständigen Sachstand zur Überarbeitung beschreibt der Beitrag Die Neufassung der taktischen Zeichen.

Die Vorschrift der Bundeswehr

Maßgeblich ist die Zentralvorschrift A1-160/0-9200 „Militärische Symbole“, herausgegeben vom Planungsamt der Bundeswehr und in Kraft seit dem 24. April 2016. Sie setzt den NATO-Standard APP-6(C) „Joint Military Symbology“ in eine nationale, deutschsprachige Vorschrift um und enthält darüber hinaus einen eigenen Symbolsatz.

Damit ist die Bundeswehr Teil eines internationalen Systems. Ein deutscher Stabsoffizier liest die Lagekarte eines niederländischen Verbands, weil beide APP-6 folgen. Genau diese Eigenschaft fehlt den zivilen Zeichen: Sie sind national, teilweise sogar länderspezifisch.

Die Zugehörigkeit — das Konzept, das zivil fehlt

Der grundlegendste Unterschied ist keiner der Formen, sondern der Frage, die das System beantwortet.

Zivile taktische Zeichen beantworten: Wer ist das, und was kann er? Feuerwehr, THW, Rettungsdienst — alle stehen auf derselben Seite. Die Frage nach Freund oder Feind stellt sich nicht.

Militärische Symbole beantworten zuerst: Zu wem gehört das? Die Zugehörigkeit ist die erste Information überhaupt und wird über Farbe und Rahmenform ausgedrückt — für eigene und verbündete Kräfte, für feindliche, für neutrale und für unbekannte. Erst danach folgt, worum es sich handelt.

Dieses Konzept lässt sich nicht einfach in den Bevölkerungsschutz übertragen, weil es dort keine Entsprechung hat. Umgekehrt hat das militärische System keine Kategorie für „Feuerwehr“ oder „Rettungsdienst“ im zivilen Sinn.

Wo die Farben sich widersprechen

Hier liegt der Kern des Problems. Beide Systeme nutzen dieselben vier Grundfarben — mit gegensätzlicher Bedeutung.

FarbeBevölkerungsschutzMilitärisch (APP-6)
RotFeuerwehrfeindliche Kräfte
BlauTechnisches Hilfswerkeigene und verbündete Kräfte
GrünPolizeineutrale Kräfte
GelbFührung und Leitungunbekannte Kräfte

Ein rotes Zeichen auf einer gemeinsamen Karte wäre für die eine Seite ein Löschfahrzeug und für die andere eine Bedrohung. Das ist kein theoretisches Problem: Bei Amtshilfe nach Artikel 35 Grundgesetz — Hochwasser, Schneekatastrophen, Pionierunterstützung — arbeiten beide Seiten an derselben Lage.

Hinzu kommt, dass die zivile Seite die Farbe Rot in der Lagedarstellung zusätzlich für Gefahren und Schäden verwendet. Wie diese beiden zivilen Farbebenen zusammenspielen, steht im Beitrag Wie taktische Zeichen aufgebaut sind.

Die Größenordnungen stoßen ebenfalls aneinander

Militärisch wird die Größe einer Einheit über Symbole oberhalb des Rahmens dargestellt, in einer durchgehenden Reihe von Trupp über Gruppe, Zug, Kompanie, Bataillon, Regiment, Brigade, Division und Korps bis zur Heeresgruppe. Zivil geschieht das über Punkte und Balken — ein Punkt für den Trupp, zwei nebeneinander für die Gruppe, drei für den Zug.

Dass dieser Konflikt bekannt ist, lässt sich an einer Stelle der aktuellen BBK-Fachinformation direkt nachlesen. Für die Darstellung von Verwaltungsstufen — Gemeinde, Kreis, Bezirk, Land, Nationalstaat, EU — heißt es dort ausdrücklich:

Aus der BBK-Fachinformation: „Für die Zeichen werden Sternchen gewählt, um eine Verwechslung mit Größenordnungszeichen der Polizei oder Bundeswehr bzw. NATO zu vermeiden.“

Die zivile Seite weicht also bewusst aus, um nicht mit der militärischen Systematik zu kollidieren. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Harmonisierung praktisch aussieht: nicht als große Vereinheitlichung, sondern als hunderte kleiner Entscheidungen, bei denen ein System dem anderen Platz macht.

Wo beide Systeme sich schon treffen

An einer Stelle hat die zivile Seite die militärische Konvention bereits übernommen: bei der Zeitangabe.

Üblich ist zivil das Format Tag plus Uhrzeit, also 040835 für den 4. des Monats um 08:35 Uhr. Die BBK-Fachinformation empfiehlt darüber hinaus, bei Auslandseinsätzen und bei Kontakten zu militärischen Einheiten zusätzlich die Zeitzone anzugeben — analog zum Date-Time-Group-Format der NATO. Aus 040835 wird dann 040835Bjun23: 4. Juni 2023, 08:35 Uhr, Zeitzone Bravo.

Das wirkt pedantisch, bis man es braucht. Sobald Kräfte aus verschiedenen Zeitzonen oder über Sommerzeitwechsel hinweg zusammenarbeiten, ist eine Uhrzeit ohne Zonenangabe mehrdeutig — und Uhrzeiten sind auf einer Lagekarte die Angabe, an der fast alles hängt.

Was das für die Praxis heißt

Für den Alltag im Bevölkerungsschutz ändert sich derzeit nichts. Wer eine Lagekarte führt, arbeitet mit den zivilen Zeichen seiner Organisation, und das bleibt richtig.

Drei Dinge lohnen sich trotzdem zu wissen. Erstens: Trifft man auf eine militärische Lagekarte, sagt die Farbe etwas völlig anderes als gewohnt — nicht die Organisation, sondern die Zugehörigkeit. Zweitens: Bei gemeinsamen Lagen sollte auf der Karte stehen, nach welchem System sie geführt wird. Ein Vermerk in der Legende kostet nichts und beantwortet die Frage, bevor sie gestellt wird. Drittens: Die Verbindung läuft über die Strukturen der zivil-militärischen Zusammenarbeit — Kreis- und Bezirksverbindungskommandos —, nicht über eine gemeinsame Kartensymbolik. Mehr dazu unter Einheiten von Polizei und Bundeswehr.

Und für alle, die den Prozess verfolgen: Die Angleichung ist ausdrücklich als Prüfauftrag formuliert, nicht als beschlossene Sache. Wie er ausgeht, ist offen.

Quellen und Belastbarkeit: Die Angaben zur Bundeswehr-Vorschrift beruhen auf der veröffentlichten Beschreibung der Zentralvorschrift A1-160/0-9200 und dem zugrundeliegenden NATO-Standard APP-6(C); die vollständige Vorschrift lag für diesen Beitrag nicht im Volltext vor. Die zivilen Angaben stammen aus der BBK-Fachinformation „Taktische Zeichen im Bevölkerungsschutz“, die hier im Volltext ausgewertet wurde — das Zitat zu den Sternchen steht dort in Kapitel 5.7. Diese Seite gibt eine Orientierung für den zivilen Bevölkerungsschutz und ist keine Darstellung militärischer Vorschriften.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Bundeswehr, Planungsamt: Zentralvorschrift A1-160/0-9200 „Militärische Symbole“, in Kraft seit 24. April 2016
  • NATO: APP-6(C) „Joint Military Symbology“
  • Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Fachinformation „Taktische Zeichen im Bevölkerungsschutz — Empfehlungen zur Einführung einer FwDV 102/DV 102“, bbk.bund.de
  • Ausschuss für Feuerwehrangelegenheiten, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung (AFKzV), Beschlüsse der 55. und 57. Sitzung
  • Wikipedia: Militärische Symbole, de.wikipedia.org/wiki/Militärische_Symbole